von Gudrun Bendel
Warum Schreibpausen so wichtig sind
Jede Autorin kennt es: Der Cursor blinkt Stakkato aber die Ideen, die Handlung, wollen einfach nicht fließen. Die Sätze lesen sich hölzern und der Abgabetermin rückt näher. Die instinktive Reaktion darauf ist: Noch härter und länger zu arbeiten und den Kaffee-Konsum zu erhöhen. Doch die Wahrheit ist oft paradox: Wer besser schreiben will, muss öfter aufhören. Pausen sind kein Stillstand, sondern ein aktiver Teil des Schreibprozesses. Hier sind drei Argumente für Pausen.
1. Das Gehirn schreibt weiter, auch wenn wir ruhen (Inkubationseffekt)
Schreiben ist Schwerstarbeit für das Gehirn. Wenn wir eine Pause einlegen, schaltet unser Verstand in den sogenannten „Default Mode“ (Ruhezustand). In diesem Modus beginnt das Gehirn, (sozusagen im Hintergrund) z.B. lose Fäden der Handlung zu verknüpfen und Dialoge zu glätten. Viele Plot-Löcher schließen sich nicht durch angestrengtes Nachdenken, sondern genau dann, wenn wir den Fokus vom Manuskript lösen.
Dann „überfällt“ einem die Lösung förmlich: Aber eben nicht passend am Schreibtisch. Sondern genau dann, wenn wir ohne Stift und Papier und etwas ganz anderes tun: Der Funke zündet, wenn wir unter der Dusche sind, kurz vor dem Einschlafen, beim Einkaufen im Supermarkt oder beim Autofahren. Warum ist das so?
Immer wenn wir uns intensiv mit einem Problem beschäftigen, fokussiert sich unser Gehirn. Das ist gut für die Analyse des Problems. Aber erst wenn wir den Fokus lockern, also entspannen, und vor allem bei analogen „automatisierten“ Tätigkeiten, wie z.B. Einkaufswagen schieben, beim Autofahren, sogar beim Putzen oder Kochen, kann das fokussierte Analysieren abschalten und das Gehirn beginnt Informationen neu zu verknüpfen. Das Ganze hat auch einen Namen: „Inkubations-Effekt“. Es ist die plötzliche Problemlösung nach Pausen. Wobei ja der Begriff „Inkubation“ im Allgemeinen das „Ausbrüten“ oder „Sich-Entwickeln“ bezeichnet und hier also richtig passt. Daher ist eine Pause kein Luxus, sondern eine biologische Notwendigkeit.
2. Pausen schützen vor der „kreativen Erschöpfung“
Letztendlich ist Kreativität eine endliche Ressource. Und wenn wir uns und unsere Schreibkraft permanent auspowern, wie z.B. im Hochstress vor Abgabeterminen versiegt der Brunnen irgendwann. Jede Entscheidung, jeder Entwurf und jede Korrekturschleife verbraucht mentale Energie. Daher ist eine regelmäßige Regeneration so wichtig für unsere Gesundheit und unsere kreative Kraft. Wir müssen die Brunnen wieder auffüllen. Wenn wir ausgepowert schreiben, wird auf dem Papier alles zäh und unsere Schreibfreude müde. Pausen und auch Ablenkungen laden den Akku wieder auf. Ohne Tinte kann der beste Füller nicht schreiben.
Wer sich permanent zwingt, über die mentale Erschöpfung hinaus zu schreiben, riskiert sogar eine Schreibblockade. Hier helfen vor allem regelmäßige Pausen und auch zu wissen, was einem erholt und Freude macht – und sich das dann auch zu gönnen. Solche Pausen dienen der emotionalen Regeneration.
Hast du dir schon mal überlegt, welche Dinge du persönlich richtig gerne machst und genießt, damit sich dein kreativer Brunnen wieder füllt?
3. Der Abstand zum Schreibtisch schafft Klarheit
Wir tauchen beim Schreiben tief in die Gefühlswelt unserer Figuren ein, das ist intensiv aber auch anstrengend. Und das tiefe Eintauchen kann auch den Blick für die Struktur trüben.
Nach einer Pause, die uns in die Distanz bringt, erkennen wir, wo ein Absatz zu langatmig ist oder wo eine Szene noch Schliff braucht. Eine bewusste und klare Unterbrechung schenkt uns den „distanzierten Blick“ auf unsere Arbeit. Eine Pause weg vom Schreibtisch gibt uns den nötigen Abstand, um das eigene Werk mit frischen Augen zu betrachten und z.B. unnötige Komplexität zu vermeiden.
Hört auf eure (persönlichen) Erschöpfungssignale, wie z.B. „Ich lese denselben Absatz gerade zum dritten Mal“, „mein Nacken wird steif“ oder „Ich werde ungeduldig“, etc. Dann macht eine Pause. Gönnt euch Erholung. Das kann eine Mini-Pause von 2 Minuten sein, wie z.B. einmal kräftig lüften, Augen schließen und ein Glas Wasser in kleinen Schlucken trinken.
Oder macht eine längere Bewegungs-Pause und geht an die frische Luft. Frische Luft fördert die Durchblutung des Gehirns und kurbelt die Dopamin-Produktion an – ein wichtiger Botenstoff für Motivation und Ideenfindung. Zusammengefasst: Worte brauchen Luft!
Damit lautet das Fazit: Für kreative Menschen ist die bewusste Unterbrechung kein Luxus, sondern eine biologische Notwendigkeit. Die Pause ist Teil der Arbeit, Pausen erhalten uns unsere kreative Kraft. Betrachte deine Pausen nicht als verlorene Zeit, sondern als Investition in deine Lebensfreude und deine Schreibqualität. Wer sich traut, loszulassen, schafft den Raum, den eine gute Idee zum Landen braucht. In diesem Sinne: „Schöne Pausen!“