Verleihung

Goldene Auguste

Sie wird seit 2009 alle 3 Jahre verliehen, ist undotiert, aber trotzdem begehrt und eine besondere Auszeichnung: die Goldene Auguste. Sie wird nur Frauen verliehen, die für das Vereinsziel „Förderung der von Frauen geschriebenen Kriminalliteratur“ stehen.

Goldene Auguste

Verleihung der goldenen Auguste

Seit 2009 verleiht unser Netzwerk alle drei Jahre den Preis „Die Goldene Auguste“ an eine Person, die sich um den Krimi von Frauen verdient gemacht hat. 
Erste Preisträgerin war die Programmleiterin des Ariadne-Verlages Else Laudan. Ihr wurde die von der österreichischen Autorin und Vergolderin Elisabeth Schweighofer gestaltete Statue auf einer Ladies Crime Night in Düsseldorf verliehen. Auguste Groner, die Namensgeberin des Preises, war die erste Krimiautorin, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts einen Serienpolizisten einführte.

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Foto: Elisabeth Schweighofer

Anlässlich der Verleihung der Goldenen Auguste 2021 gewährt uns Künstlerin Elisabeth Schweighofer Einblick in den Entstehungsprozess der Statuette. 

So entsteht eine Goldene Auguste!

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Foto: Saska Marloh
Verleihung der Goldenen Auguste 2024

Fenna Williams

Sie ist erfolgreiche Krimiautorin. Sie spricht vier Fremdsprachen. Sie tourt durch die ganze Welt, fühlt sich aber am meisten in Venedig zu Hause. Fenna Williams ist vielbeschäftigt und immer wieder für ihre mörderischen Schwestern unterwegs. Von Anfang an dabei und aktiv am Vereinsleben beteiligt, sagt sie selbst: „Für mich ist das, was ich für die Mörderischen Schwestern mache, Berufung.“

Das merkt man, doch das allein kann natürlich nicht der Grund sein, ihr die Goldene Auguste zu verleihen. Das Statement unsere Präsidentin Claudia Wuttke gibt einen kleinen Einblick, warum sich die Mehrheit der Schwestern bei der Wahl für Fenna entschieden hat: „Ich freue mich sehr, dass die Wahl für die Auguste in diesem Jahr auf Fenna Williams gefallen ist. Mit ihrer Pippa Bolle-Reihe hat sie den deutschsprachigen Krimi von Frauen im deutschen Markt durch eine gewitzte und pfiffige Stimme bereichert. Und die Mörderischen Schwestern sind dank ihres unermüdlichen Einsatzes bei TransCrime (Anm. der Redaktion: internationaler Austausch der Krimiautorinnen) inzwischen über die Grenzen des Landes mit bekannt und fast schon berühmt geworden. Very well done!“.

Auch der Text, mit dem Fenna vorgeschlagen wurde, zeigt, wie sehr sie sich engagiert und für die Mörderischen Schwestern einsetzt. Sie ist als internationale Botschafterin unterwegs, hat es geschafft eine hochkarätige Kooperation mit der Cambridge University einzugehen, und ist immer bestrebt, die Mörderischen Schwestern weltweit noch stärker zu vernetzen. Durch ihre ehrenamtliche Arbeit bei TransCrime entführt sie nach England, Schottland, Frankreich und Venedig. Dort sind die renommierten Schreib- und Leseretreats angesiedelt. Ihre Seminare und Coachings sind begehrt. Autorinnen lernen bei ihr Schreibblockaden zu überwinden und Zugang zur eigenen Kreativität zu finden.

Auf die Frage, wie sie das alles unter einen Hut bekommt, lacht sie. „Mein Tag hat 26 Stunden.“ 26 Stunden, in denen sie nach malerischen Orten für Schreibkurse sucht. 26 Stunden, in denen sie Kontakte knüpft. 26 Stunden, in denen sie an internationalen Projekten sitzt. 26 Stunden, in denen sie Studienreisen organisiert und auch 26 Stunden, in denen sie ihre Krimis schreibt. Ihr Herz schlägt für die Schwestern und sie nimmt sie mit. Zum Karneval nach Venedig, ins beschauliche Stephanshausen im Rheingau oder auf eine Farm in Frankreich. Sie lädt in Schottland zu einem Whisky ein oder in London zu Shakespeare. „Nichts ist besser, als miteinander zu sprechen, zu schreiben und die Kultur ein bisschen zu verstehen.“

Sie lebt das vor und so ist es kein Wunder, dass sie die freudige Nachricht in einem Pub in Kent, Großbritannien erreicht. Sie sagt dazu: „Die wunderbare Nachricht erreichte mich im Pub The tickled trout (die gekitzelte Forelle). Genau so fühle ich mich: Seitdem mich die wunderbare Nachricht gekitzelt hat, höre ich nicht mehr auf zu grinsen. Während ich weiß, dass alle anderen nominierten Frauen es auch verdient hätten, und ich es jeder von ihnen gegönnt hätte, bin ich auch sehr dankbar, dass es mich getroffen hat.“

Und die Mörderischen Schwestern gratulieren von Herzen und sagen Danke für ihr unermüdliches Engagement!

Text: Sylvia Horlebein

Alle 3 Jahre

Die Goldene Auguste geht an ...

Sandra Uschtrin, Foto: Christoph Hellhake
Sandra Uschtrin, Foto: Christoph Hellhake

Sandra Uschtrin

Goldene Auguste 2021

Sandra Uschtrin leistet seit Jahrzehnten mit ihrer Arbeit einen Beitrag zur Professionalisierung und Vernetzung von Autorinnen und Autoren. Sie nimmt Selfpublishing als einen weiteren Weg, Bücher zu verkaufen, ernst und ist auch hier an der Professionalisierung beteiligt. Ihr Handbuch für Autorinnen und Autoren, die Fachzeitschriften „Federwelt“ und „Der Selfpublisher“ sind vor allem für Anfängerinnen nicht mehr wegzudenken. Mit dem Autorenwelt-Shop hat sie ein großartiges Projekt in Gang gesetzt, das Autorinnen und Autoren zu mehr Sichtbarkeit und vor allem zu mehr Geld verhilft. Dieser Shop wird nicht als Sozialprojekt betrieben, sondern zeigt als Wirtschaftsunternehmen mit dem Geschäftsverhalten Maß und Solidarität und dass es auch anders geht.

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(c) Anette Goettlicher

Zoë Beck

Goldene Auguste 2018

Die Mörderischen Schwestern e.V. verleihen ihre GOLDENE AUGUSTE 2018 an die Autorin, Verlegerin und Aktivistin Zoë Beck. Alle drei Jahre zeichnet Europas größter Krimiautorinnenverband mit der Goldenen Auguste eine Person aus, die sich in besonderem Maß um den von Frauen geschriebenen Krimi verdient gemacht hat.

Als Feministin und Buchmarktaktivistin setzt sich Zoë Beck mutig und mit großem Engagement für AutorInnenrechte, einen fairen Buchmarkt, Menschenrechte und Menschlichkeit ein. Auf Podien, in Diskussionen und auf der Internet-Plattform HERLAND verliert sie niemals das Thema Krimi und Frauen aus den Augen. Durch die hohe Qualität ihrer Romane hat sie das männlich dominierte Feuilleton auf ihre Seite gebracht und gezwungen, ihre Argumente zu hören.
„Zoë Beck scheut sich nicht, unangenehme Fakten beim Namen zu nennen und mutig, fachkundig und bestimmt für eine gerechte und offene Gesellschaft einzustehen“, so Janet Clark, Präsidentin der Mörderischen Schwestern. „In einer von Männern dominierten Welt brauchen wir starke, feministische Stimmen wie die von Zoë Beck. Ganz besonders im Krimigenre, dem Genderstiefkind der Literatur mit einer Männerquote von 82% bei von Männern rezensierten Büchern. Mit der Goldenen Auguste wollen wir Zoës Engagement für den von Frauen verfassten Krimi würdigen.“

Zu Zoë Beck

Zoë Beck, geboren 1975, studierte englische und deutsche Literatur unter anderem in Gießen, Bonn und Durham und ist als Schriftstellerin, Übersetzerin und Verlegerin aktiv. Als Autorin weist Zoë eine beeindruckende Reihe an Veröffentlichungen auf, unter anderem „Das alte Kind“ (2010), „Brixton Hill“ (2013) und „Schwarzblende“ (2015). Zuletzt erschien 2017 bei Suhrkamp „Die Lieferantin“ über eine Drogenhändlerin im London der nahen Zukunft. In ihren Kriminalromanen kümmert sich Zoë Beck weder bei ihren Charakteren noch stilistisch um Geschlechtszuschreibungen und verfolgt stets ihren eigenen Stil.  Auf der feministischen Internetplattform HERLAND schreibt Zoë Beck zudem mit anderen Krimiautorinnen über politische Literatur von Frauen und betreibt durch ein Mentoringprogramm Nachwuchsförderung. Zoë Beck wurde unter anderem mit dem Friedrich-Glauser-Preis 2010 für den besten Kurzkrimi, dem Radio-Bremen-Krimipreis 2014 und dem dritten Platz des Deutschen Krimipreises 2016 ausgezeichnet. Ihre Kriminalromane werden regelmäßig auf die Krimibestenliste gewählt und wurden bislang in neun Sprachen übersetzt.  
Seit 2013 führt Zoë Beck zusammen mit Jan Karsten den Verlag CulturBooks, in dem internationale und deutschsprachige Gegenwartsliteratur im Hardcover, Paperback und als Digitaleditionen erscheint. Dabei kommen viele Autorinnen zu Wort, die jenseits des Mainstream eine eigene, besondere Stimme entwickelt haben, die den Buchmarkt bereichert. Der Verlag vertreibt auch E-Book-Ausgaben der feministischen Noir- und Politkrimireihe ARIADNE des Argument Verlags.

Nina George, Foto: Dominique Meienberg
Nina George, Foto: Dominique Meienberg

Nina George

Goldene Auguste 2015

Als besondere Anerkennung für Personen, die sich um den von Frauen geschriebenen Krimi verdient gemacht haben, verleiht Europas größter Krimiautorinnenverband – die Mörderischen Schwestern – seit 2009 alle drei Jahre die GOLDENE AUGUSTE.

2015 fiel die Wahl auf die erfolgreiche Schriftstellerin und New York Times- Bestsellerautorin Nina George (42, Berlin). Mit diesem Preis wird Nina Georges Engagement für die Rechte der Autorenschaft in der Buchbranche, für das Urheberrecht in der digitalen Gesellschaft und für einen fairen Buchmarkt ausgezeichnet. Ihre Bemühungen schließen dabei den von Frauen geschriebenen Krimi vollumfänglich ein.

Nina George, die seit 2003 u.a. Mitglied der Mörderischen Schwestern ist, setzt sich als Beirätin des PEN, als Verwaltungsmitglied der VG Wort und als Initiatorin der Verbandsübergreifenden Initiative Fairer Buchmarkt, in bewundernswerter Weise für die politische, gesellschaftliche und rechtliche Stärkung der Autoren und Autorinnen ein. Ihre Kenntnis des Buchmarktes und des Urheberrechtes, sowohl in Deutschland als auch auf europäischer Ebene ist herausragend. Durch ihren, vielfach auch privaten und eigenfinanzierten Einsatz, hat sie sich als Fürsprecherin für die Belange der Autorenschaft einen Namen gemacht. Sie hat sich Anfeindungen und Drohungen aufgrund ihres Engagements gegen E-Book-Piraterie ausgesetzt und sich als Kampagnenmacherin dem Monopolisten Amazon entgegengestellt, als dieser 2014 einen Preiskampf zu Lasten der Autorinnen und Autoren austrug. Darüber hinaus hat George die Verbandsübergreifende Initiative Fairer Buchmarkt gegründet, aus dem bisher die Aktionen „Aktion Lieblingsbuch“, „100.000 poets for refugees“, „Copyright for freedom“ und (ab März 2016) „Link Local“ hervor gingen. Als Expertin bei Fachgesprächen über den Buchmarkt, digitale Wirtschaft, Verträge und Vergütung sowie Urheberrecht spricht sie im Bundestag, im Europa-Parlament, im Forum d’Avignon Ruhr, an der Humboldt-Universität Berlin oder im Europäischen Forum Alpbach über die Rechte, den Wert und die gesellschaftliche Bedeutung der Autorinnen und Autoren.

Nina George hat frühzeitig erkannt, wie wichtig es für Autorinnen und Autoren ist, den Buchmarkt initiativ und mit starker Stimme mitzugestalten. Sie hat es geschafft, die Sprecher und Sprecherinnen der bedeutendsten deutschen und europäischen AutorInnen- und ÜbersetzerInnenverbände zu vernetzen, um den Stimmen und Meinungen der schreibenden Widersprüchler mehr Gehör zu verleihen.

Nina George nimmt die Auszeichnung an, welche ihr feierlich am 31.10.2015 im Schloss Fürstenried bei München überreicht wird.

Kurzvita Nina George

  • Geb. 1973 in Bielefeld. Seit 1992 freie Journalistin, Schriftstellerin, Dozentin, seit 2011 Urheberrechtsaktivistin und Rednerin. Präsidiumsmitglied im PEN, im Vorstand des Three Seas Writers’ and Translators’ Council. Mitglied im Das Syndikat, im VS (Verband deutscher Schriftsteller), den BücherFrauen, den Mörderischen Schwestern

  • 27 verschiedene Buchveröffentlichungen (Sachbücher, Fiktion, Erzählungen, Kriminalromane), u.a. der internationale (New York Times-)Bestseller „Das Lavendelzimmer“, Übersetzung in 33 Sprachen. Darüber hinaus Kolumnen (u.a. Hamburger Abendblatt), Essays, Reportagen, Blogs. Themen-Schwerpunkte Kulturpolitik, Buchbranche und Frauenfragen im Kunst- und Kreativbetrieb

  • Gründerin der Autorinnen-und Autoren-Initiativen „Ja zum Urheberrecht“ und „Fairer Buchmarkt“ www.fairerbuchmarkt.de

  • Verheiratet mit dem Schriftsteller Jens Jo Kramer. Lebt in Berlin und der Bretagne

  • U.a. nominiert für den Virenschleuderpreis 2015, ausgezeichnet mit der „DeLia“ 2011 und mit dem Friedrich-Glauser-Preis Kategorie Kurzgeschichte 2012. 

Almuth Heuner (c): Almuth Heuner
(c) Almut Heuner

Almuth Heuner

Goldene Auguste 2012

2012 ging die Goldene Auguste an Almuth Heuner für ihre Verdienste um die Erforschung der Geschichte deutschsprachiger Krimiautorinnen und den Aufbau ihres Internationalen Krimifrauen-Archivs.

Laudatio für Almuth Heuner

von Beatrix Kramlovsky

Für manche Menschen ist die Realität ein Konglomerat unterschiedlicher Empfindungen, das erst durch das Wort Wirklichkeit gewinnt. Über allen Sinnen steht für sie die Erfahrung, dass das sprachliche Abbild das eigentliche Tor zur Welt ist; so wie für den frühen Menschen, der die Orientierung nicht verlor, weil er mit Seinesgleichen durch Laute und Lautfolgen kommunizieren lernte; so wie der Aborigene, der sich seinen Platz ersang. Das Bewusstsein des Ichs in einer Menge von Artgleichen wurde nur mithilfe der Sprache entwickelt. Was viele ohne zu denken benutzen, – und manchmal benutzen, um das Denken zu verschleiern-, ist also die Fähigkeit, die sie zu Menschen macht. Und es spielt keine Rolle, ob es sich um eine hoch komplizierte grammatikalische Struktur oder um eine Buschsprache mit einem limitierten Wortschatz handelt. Angepasst an die menschlichen Bedürfnisse ist jede Sprache Rettungsanker, Erinnerungsschlüssel, Gefühlsübersetzer, Wissenstransmitter.

Für manche jedoch ist Sprache gleichbedeutend mit Existenz.

Wir in der Gegenwart sind, was wir sind, weil wir sprechen, schreiben, lesen können. Wir teilen Erfahrungen auf eine Art, die uns von anderen Lebewesen unterscheidet. Wir blicken auf eine Fülle von unterschiedlichsten Enzyklopädien und sind angewiesen auf Vermittler, auf Verwalter, auf Suchende und Sammelnde in den wachsenden Archiven. Eine solche Pfadfinderin, eine sehr spezielle Schreibende wollen die Mörderischen Schwestern heute ehren: Almuth Heuner.

In den Sechzigern wächst sie in einem lesenden Zuhause im Ruhrpott auf. Dem Zeitgeist antwortet sie in den frühen Achtzigern mit einem Übersetzerstudium in Englisch und Russisch, eine feine Mischung zu Zeiten der Blockpolitik, die wohl zeigt, was Almuth von Einmauerung hält.

Sie redigiert eine naturwissenschaftliche Fachzeitschrift, studiert Germanistik, während sie ihre ersten Literaturübersetzungen liefert, engagiert sich in Netzwerken von Bücherfrauen und Herausgeberinnen, beginnt, ihre geliebten Krimis wissenschaftlich zu betrachten und sich mit von Frauen geschriebenen Krimis besonders auseinander zu setzen. Ihr Schwerpunkt liegt auf englischsprachigen Erzählungen, denn bedauernd stellt sie fest, dass der deutsche Markt noch zu wenig hergibt.

1997 lernt sie ein Grüppchen wild entschlossener Krimischriftstellerinnen kennen und wird sofort die interne Redakteurin der deutschen Sisters in Crime. Um die Jahrtausendwende ist sie die Präsidentin. Es hätte die deutschsprachige Sektion der Sisters in Crime wohl auch ohne Almuth gegeben. Aber vermutlich hätten sie nicht so stark überlebt. Über Jahre hinweg, lange nach ihrer eigenen Präsidentschaft, war sie Treibende und Fördernde im Hintergrund, half mit bei der Loslösung vom amerikanischen Netzwerk, bei der Definierung der eigenen Identität. Das tut sie übrigens immer noch.

Almuth Heuner ist nicht nur der Fiktion verfallen, sondern hat eine besondere Stärke als Dokumentatorin und bibliophile Hüterin in einem Bereich, der mittlerweile weltweit und Kulturen überspannend zu einem gesellschaftlichen Phänomen wurde, dem Krimi. Das Genre gibt es schon lange, seit mehr als hundert Jahren schreiben – auch – Frauen Krimis, die Sprachgrenzen und kulturelle und politische Revierzäune überwinden. Almuth Heuner wurde schon vor zwanzig Jahren klar, dass es jedoch ein geschlechtsgebundenes Ungleichgewicht in der öffentlichen Wahrnehmung gibt, egal, in welcher Sprache, egal, in welcher Kultur. Von den meisten unbemerkt baute sie ein erstes Archiv auf, den Arbeiten von deutschsprachigen Krimischriftstellerinnen gewidmet, eingenistet in ein ausuferndes Bücherlabyrinth, in dem auch die Werke von befreundeten Autorinnen aus anderen Sprachen Platz fanden. Ihr Wissen um das Genre, um Strömungen, Spitzentexte, Moden, Methoden und Darstellungen wuchs.

Den internationalen Austausch hat sie immer schon gepflegt, auch erfolgreich versucht, in ihren eigenen Krimireihen, die sie in dt. Verlagen, zum Teil mit ihrer kongenialen Freundin und Krimiautorin Andrea C. Busch, herausgegeben hat und nun wieder herausgibt, ließ sie zumindest eine nichtdeutsche Stimme pro Band ebenfalls erzählen. Das hat dem sprachlichen Niveau ihrer Anthologien immer gutgetan, auch die gezielte Mischung von Schweizer, österreichischen und deutschen Erzählerinnen. Ihr polyglotter Blick über diverse Gartenzäune war auch für die Mörderischen Schwestern ein Gewinn und sollte weiterhin genutzt werden.

Bei all diesen zeitintensiven Arbeiten bleibt Almuth Heuner kaum eine Gelegenheit für das Schreiben eigener Krimis. Zwar wurde sie für den Debut Dagger 2002 im engl. Sprachraum nominiert, 2005 dann für den Glauser in der Sparte Kurzkrimi im dt. Gebiet, aber der große Roman wird noch verhindert durch ihre vielfältigen anderen literarischen Aufgaben.

Zur Freude aller, die seit Jahren ihren Bücherempfehlungen folgen und ihren Texten, die sich mit Büchern und Schreibenden beschäftigen, hat sie nun ein eigenes Forum auf ihrer Homepage, das sich Krimischreibenden widmet. Das, was sich so als Nebenher-Arbeit präsentiert, ist nur eine sichtbare Spitze ihrer Tätigkeit. Sie katalogisiert, sie archiviert, sie rettet vor dem Vergessen, sie verknüpft und hält fest, sie baut einen wissenschaftlichen Pfad quer durch das ausufernde Labyrinth der von Frauen geschaffenen Krimibücherwelt. Dazu hält sie den Kontakt zu Bibliotheken, Literaturwissenschaftlerinnen, Herausgeberinnen, Übersetzerinnen und anderen Archiven. Und hält voll Lust und Neugier ihre Nase in den Oxfordwind, der jährlich ein internationales Krimisymposium auf höchstem Niveau freibläst. Dass man dort nicht mehr die dt.-sprachigen weiblichen Krimivertreter ignorieren kann, ist einer ihrer vielen Verdienste.

Wir wünschen ihr natürlich die längst fällige Anerkennung für ihre Hintergrundarbeit, Trommelwirbel, der viele dazu animiert, sie zu googeln unter www.heuner.de , einmal nachzulesen, was es alles in ihrem Universum gibt und sich vorzustellen, woran sie zurückgezogen werkt.

Dies geschieht nun das erste Mal. Schön, dass es gerade diese Auszeichnung ist, denn Almuth Heuner hat mitgeholfen, die österr. Krimiautorin des 19. Jahrhunderts in Deutschland wieder dem Vergessen zu entreißen. Und schön, dass es die Mörderischen Schwestern sind, die sie mit der Verleihung der Goldenen Auguste vor den Vorhang bitten.

Goldene Auguste

Else Laudan

Goldene Auguste 2009

Else Laudan ist seit 1989 als Lektorin und Redakteurin zuständig für das Ariadne-Programm im Hamburger Argument Verlag. Seit 1997 ist Else Laudan Co-Geschäftsführerin und Programmchefin des Argument Verlags.

Spezialität des Ariadne-Programms ist seit über 20 Jahren spannender Lesestoff von Autorinnen mit literarischem und aufrührerischem Anspruch. In den letzten Jahren ist dabei das Programm vor allem durch deutschsprachige Autorinnen gekennzeichnet.

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