von Autorin und Buchbloggerin Katja Szimmat
Was ist Schnell-Lesen, was bringt es und wie kann man es lernen?
Zum Einstieg zwei ganz unterschiedliche Szenarien!
Szenario 1: Sonntagnachmittag. Ich sitze mit meinem Mann vor dem PC, weil wir eine Reise buchen wollen. Wir öffnen ein Online-Portal und geben unsere Suchparameter ein. Die Liste mit den Hotels, die passen könnten, öffnet sich. Im Nu habe ich meine Wahl getroffen und öffne ein Angebot.
„Nee, passt nicht, der Strand ist zu weit weg“, sage ich und klicke das nächste Angebot an. „Das geht auch nicht, zu viele Zimmer, Massenbetrieb.“
So geht es eine ganze Weile weiter, bis mein Mann sagt: „Das ist echt anstrengend. Sag mal, wie schnell liest du eigentlich?“
Szenario 2: Ich habe ein Manuskript zu Ende lektoriert. Aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich es noch nicht abgegeben kann. Ich setze mich gemütlich aufs Sofa und überfliege die fast 300 Seiten noch einmal in knapp zwei Stunden. Dabei finde ich um die zehn Kleinigkeiten, korrigiere sie und kann das Manuskript anschließend mit gutem Gewissen an die Autorin zurückgeben.
Das sind nur zwei Situationen aus meinem Alltag, bei denen mir meine Fähigkeit, schnell lesen zu können, hilft.
Hier die Vorteile des Schnell-Lesens im Überblick:
Wer schnell lesen kann,
- kann Texte schneller überfliegen und dabei wichtige Textstellen identifizieren (sogenanntes Scanning) – das alles bei einem angemessen gutem Textverständnis und einer schnellen Informationsverarbeitung.
- trainiert ganz nebenbei sein Gedächtnis und kann sich besser konzentrieren.
- kann mit sogenannten „Lesebarrieren“ (zum Beispiel inneres Mitsprechen beim Lesen, Zurückspringen im Text, anstrengendes Wort-für-Wort-Lesen) besser umgehen und sie sich abtrainieren.
- ist nach dem Lesen größerer Textmengen nicht mehr so angestrengt (unter anderem, weil die Anzahl der Neufokussierungen des Blickes reduziert wird und die Augen damit entlastet werden).
- kann eventuell auch fremdsprachliche Texte schneller lesen.
Als Autorin kannst du das Schnell-Lesen vor allem bei der Recherche und beim Überarbeiten deines Textes (Stichwort Lesefluss!) nutzen.
Vielleicht bist du schon eine Schnell-Leserin und weißt es noch nicht? Unter anderem auf diesen beiden Seiten kannst du deine persönliche Lesegeschwindigkeit und dein Textverständnis kostenlos prüfen:
https://www.improved-reading.de/lesetest/
Kann man das Schnell-Lesen lernen? Wie geht das?
Wenn du deine Lesegeschwindigkeit steigern möchtest, hast du verschiedene Möglichkeiten:
- Buche einen Kurs! Es gibt hier zahlreiche Angebote, auch die Volkshochschulen bieten immer mal wieder Seminare an.
- Lade dir eine App zum Üben herunter! Ich nutze seit Jahren die App „Schneller lesen“ von HeKuIT.
- Informiere dich bei der Deutschen Gesellschaft für Schnell-Lesen. Dort gibt es unter anderem Informationen zur aktuellen Forschung, die Mitgliedschaft ist zurzeit noch kostenlos: http://www.dgfsl.de/
Durch (eher unregelmäßiges) Training kann ich inzwischen Absätze mit einem Blick erfassen und konnte meine Lesegeschwindigkeit nahezu verdoppeln, bei einem annährend sehr gutem Textverständnis (bis zu 100 Prozent bei fiktiven Texten).
Achtung!
- Natürlich ist es nicht in allen Bereichen sinnvoll, schnell zu lesen, zum Beispiel bei Verträgen, Anleitungen und Fachtexten.
- Schnell-Lesen kann auf Dauer auch anstrengend sein. Mache regelmäßig Pausen!
- Plane Zeiten ein, in denen du dein „Genuss-Lesen“ pflegst. Wenn du geübte Schnell-Leserin bist, kannst du leicht zwischen verschiedenen Lesegeschwindigkeiten hin und her switchen.
Ich hoffe, meine Tipps und Hinweise haben dir gefallen. Vielleicht hast du ja „zwischen den Jahren“ Zeit und Lust, das Ganze mal auszuprobieren.
Foto: Katja Szimmat