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Krimitipp Oktober 2026

Weil sie lügt von Caroline Seibt

Juli, Annas Schwester, ist verschwunden und die Polizei geht von Mord aus. Doch in dem Psychothriller Weil sie lügt von Caroline Seibt ist fast nichts, wie es scheint. Auf 384 Seiten dreht die Autorin die Realität immer wieder kräftig auf links und zeigt, dass Wahrheit und Lüge im Grunde nur zwei Seiten ein und derselben Medaille sind.

Unsere Mörderische Schwester und Redaktionsmitglied Brigitte Wehrmann stellt den Krimitipp des Monats vor.

Seit ihre Schwester Juli verschwunden ist, wird das Leben für Anna zunehmend zum Alptraum. Ihr verdächtiger Vater sitzt im Gefängnis und ihre psychisch labile Mutter verlässt kaum noch das Bett. Doch Anna muss stark sein. Für ihre Familie und vor allem für ihren kleinen Bruder Leon, der nicht versteht, wieso Juli nicht zurückkommt.

Die Situation spitzt sich zu, als im Gefängnis ein Mithäftling aussagt, dass der Vater ihm den Mord gestanden und die Leiche im Keller des Wohnhauses der Familie versteckt hat. Als die Polizei vor der Tür steht und die Ermittlerin Katharina Annas Verhalten zunehmend kritisch hinterfragt, wird klar, dass die Wahrheit komplexer ist, als es den Anschein hat. Zumal durch Julis Verschwinden alte Verletzungen und  Erwartungen ans Licht kommen, die vieles in Frage stellen, was Anna bislang für selbstverständlich gehalten hat.

Erzählt wird die Handlung abwechselnd aus der Sicht Annas und der Ermittlerin Katharina, beides in Ich-Form. Dadurch entsteht eine starke Nähe zu den beiden Protagonistinnen, die jede auf ihre Weise versuchen, das Rätsel um die verschwundene Juli zu lösen und außerdem bei ihren Nachforschungen miteinander in Konkurrenz treten. Denn nicht nur Anna hat Probleme, auch Katharina hat Schuldgefühle und betrügt sich selbst.

Statt auf Gewalt und Action zu setzen, beschäftigt sich Weil sie lügt vor allem mit den Folgen, die ein Verbrechen für die Angehörigen und Freunde des Opfers hat. Was bedeutet es, wenn Unsicherheit zum bestimmenden Lebensgefühl und der Alltag von einem Gefühl der Bedrohung beherrscht wird? Wie reagieren Menschen, wenn ihre bislang unbedeutenden Lügen auf einmal mehr Gewicht erhalten oder Freunde, denen sie vertraut haben, sich verdächtig verhalten?

Der Eindruck einer permanenten, unterschwelligen Bedrohung zieht sich durch die gesamte Handlung des Thrillers und erzeugt beim Lesenden immer wieder das Gefühl, als ginge er über eine brüchige Eisdecke. Das macht es Caroline Seibt leicht, zahlreiche verblüffende Wendungen glaubhaft in die Handlung einzubauen und die Spannung bis zum unerwarteten Ende kontinuierlich zu steigern. Mich jedenfalls hat das Ende überrascht! Mit dieser Auflösung hatte ich nicht gerechnet.

Mein Fazit: Absolute Leseempfehlung!

 

Über die Autorin:

Caroline Seibt wurde in Korbach geboren. Sie ist die preisgekrönte Autorin von Das gestohlene Kind. Der Roman wurde mit den Glauserpreis für das beste Debüt ausgezeichnet. Sie versteht es meisterlich, Spannung aufzubauen, die sich fast bis ins Unerträgliche steigert. Wer die Thriller von Freida McFadden, Vera Buck oder Melanie Raabe liebt, kommt hier auf seine Kosten.

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Caroline Seibt: Weil sie lügt
  • Droemer TB, erschienen am 1. Juni 2026
  • ISBN 13 978-3426567005
  • 384 Seiten

 

Coverabdruck mit freundlicher Genehmigung des Verlages.

Über die Redaktion

Die Verfasserin dieses Artikels ist unser Redaktionsmitglied Brigitte Wehrmann.

Der Krimitipp wurde abschließend von unserem Redaktionsmitglied Katja Szimmat redaktionell bearbeitet. Sie schreibt außerdem als Bloggerin und ist Lektorin.