Kathrin Butt Verlagsleiterin Klartext Verlag

Interview mit Kathrin Butt – Verlagsleiterin Klartext Verlag

von Katja Szimmat und Gudrun Bendel

Die Mörderischen Schwestern geben einige Anthologien im Laufe eines Jahres heraus.

Allerdings erschien nun erstmals in der Regio Südwest anlässlich eines Ladies Crime Festival (07.-09.11.2025) in Speyer eine Anthologie: „Tabak, Tod und Traubenlese – Mörderische Schwestern töten in der Pfalz“, herausgegeben von Moni Reinsch und Susanne Querfurth. Die 20 Kurzkrimis haben einen Bezug zu Speyer und/oder zur Pfalz. Erschienen ist die Anthologie im Klartext-Verlag, der im Ruhrgebiet, genauer in Essen, beheimatet ist.

Wie kommt es, dass ein Verlag, der bekannt ist für Freizeitführer, Sachbücher, Bildbände und Kalender im Ruhrgebiet, sich nun einer Krimi-Anthologie widmet?

Ein Grund für die Webredaktion der Mörderischen Schwestern, hier mal genauer nachzufragen. Das Interview mit Verlagsleiterin Kathrin Butt hat neben interessanten Informationen rund um Veröffentlichungen auch tiefe und interessante Einblicke in die Arbeit einer Verlagsleiterin gegeben.

Wie wird man Verlagsleiterin?

Kathrin Butt ist von Hause aus Ägyptologin und machte ihren Uni-Abschluss in Münster in Germanistik und Geschichte. Sie wollte ins Verlagswesen und bekam nach einem Praktikum im DuMont-Verlag ein Volontariat im Presse- und Marketingbereich des Klartext Verlages.

Zunächst kümmerte sie sich dort um die Pressearbeit und baute die Social Media-Kanäle auf, später arbeitete sie auch im Projektmanagement und der Kalkulation und schnupperte in die Vertragserstellung hinein. Sie tauchte tief in die wirtschaftlichen Kenntnisse des Verlagswesens ein und sagt über diese aufregende Zeit: „Ich habe versucht, immer so viel wie möglich mitzunehmen.“ Zurückblickend fasst sie zusammen: „Ich konnte Dinge ausprobieren und eigenverantwortlich arbeiten.“

Nach der Geburt ihres Kindes arbeitete sie in Teilzeit und teilt sich seither die Verlagsleitung mit Achim Nöllenheidt.

Gefragt, ob sie denn neben Beruf und Familie noch Hobbys pflegen kann, bekennt sie spontan: „Ich lese sehr gerne, am liebsten querbeet, vom Krimi bis zum Liebesroman“. Und beim Fernsehen stricke und häkele sie gerne.

Immer aber denkt sie auch über neue Projekte im Verlag nach. Die Schwerpunkte der 60–70 Neuerscheinungen pro Jahr liegen im Ratgeberbereich sowie bei Ausstellungskatalogen und Kalendern.

„Wir bringen ein gutes Gesamtpaket mit“, freut sich Butt. Gerade hat sie selbst eine Ratgeber-Serie konzipiert bzw. neu aufgesetzt. Die Reihe heißt „Weil es wichtig ist“ und es geht um Formate, in denen es unter anderem um Vorsorge- und Patientenvollmachten gehen soll. „Auch wenn die Themen gerne ein bisschen tabuisiert werden, muss man hier einfach über seinen Schatten springen“, so Butt, „dabei sollen die Ausfüllbücher helfen.“ Ein neues Projekt war auch die Krimi-Anthologie der Mörderischen Schwestern.


Manuskripteinreichung und Zusammenarbeit

Natürlich nutzten wir die Chance, die Verlagsleiterin nach Tipps und Tricks und möglichen Fehlern bei der Manuskripteinreichung zu fragen, denn Kathrin Butt prüft selbst alle Manuskripteingänge. „Nichts würde ich lieber tun, als nur zu lesen“ erklärt sie lächelnd, „aber da gibt es noch das Alltagsgeschäft, den Verlag zu leiten. Daher“, betont sie, „ist es gut für Autorinnen und Autoren, nicht ungeduldig zu werden und nicht schon nach zwei Wochen nachzufragen.“

Bei der Auswahl von Manuskripten ist ihre Sicht auf die Dinge: Passt das Buch zum Verlag? Gibt es schon Veröffentlichungen zu dem Thema im Verlag? Ein neues Buch sollte keine Konkurrenz zum bisherigen Angebot sein! Auch die Vertriebsstrukturen hat sie im Blick: Passt das Buch in die Vertriebsstruktur des Verlages?

Zudem hat sie als Verlagsleiterin immer auch ein Auge auf die „Verkaufssicht“. „Es sind nie nur subjektive Verlagsentscheidungen“, erklärt sie zur Auswahl eines Manuskriptes.

Das Lektorat ist nach der Auswahl des Manuskriptes ein wichtiger gemeinsamer Schritt zwischen Verlag und Autoren: „Jede und jeder Schreibende hat einen eigenen Stil“, so Butt. Die Erfahrung hat ihr aber auch gezeigt, dass Anfang und Ende immer noch mal Potenzial haben, optimiert zu werden. Sich selbst treu zu bleiben, aber auch zu vertrauen, gehöre zum Lektorieren dazu. Wichtig sei ihr auch die Offenheit, Verspätungen bei Zeitabsprachen offen mitzuteilen.

Frau Butt lobte die Zusammenarbeit mit den Mörderischen Schwestern und hob hier vor allem die „Zuverlässigkeit“ hervor, aber auch „die offene Kommunikation und die Einhaltung der Zeitabsprachen in beide Richtungen.“

Auch wie die Autorinnen und Autoren sich selbst in den Markt einbringen, ist für sie ein wichtiges Thema. Sie brennt darauf, von Lesungen, Zeitungsartikeln und Veranstaltungen zu hören und ein positives Feedback wahrzunehmen. Mit der Herausgabe des Buches, so nehmen wir es wahr, soll die Kommunikation der Mörderischen Schwestern mit dem Verlag nicht beendet sein.

Der Verlag wiederrum partizipiert von neuen Ideen, wie sich Schriftstellerinnen und Schriftsteller promoten und Ideen haben, ihre Werke dem Publikum vorzustellen.

„Ich mache Dinge, hinter denen ich auch stehe!"

Wir fassen hier die wichtigsten Informationen zur Zusammenarbeit zusammen:

  • das Manuskript an den richtigen Verlag schicken,
  • sich das Verlagsprogramm genau anschauen: Passt mein Manuskript dazu?,
  • erst mal nur ein Exposé schicken, nicht gleich den ganzen Text,
  • nicht zu früh und zu oft nach dem Stand der Dinge fragen und
  • das Verlagsgeschehen, den Verlagsalltag, verstehen.

Wenn das Manuskript angenommen wurde:

  • offen kommunizieren,
  • rechtzeitig Bescheid sagen, wenn es zu Verspätungen kommt,
  • idealerweise ein eigenes Netzwerk mitbringen und
  • sich selbst gut verkaufen können.


Zum Abschluss des Interviews baten wir Kathrin Butt noch um ein Zitat oder ein Bonmot, das ihre Arbeit beschreibt, und waren nicht überrascht, als sie spontan antwortete: „Ich mache Dinge, hinter denen ich auch stehe!“

Wir bedanken uns herzlich bei Kathrin Butt für das Interview.