Lesesüchtig, nachtaktiv, kritisch – so beschreibt sich Katja Szimmat selbst. Sabine Griebel hat unsere Krimiticker-Redakteurin, Bloggerin und Lektorin gefragt, wann sie eigentlich schläft, warum sie das Ende eines Buches inzwischen zuerst liest – und ob ein eigenes Buchprojekt in Planung ist.
Auf deiner Seite dauerleserin.de beschreibst du dich als „eindeutig lesesüchtig, nachtaktiv, kritisch“. Du bist Redakteurin für den monatlichen Krimiticker der Mörderischen Schwestern, betreibst einen Buch-Blog, bist bei Instagram aktiv und arbeitest als freie Lektorin für mehrere Verlage. Wann schläfst du eigentlich – und was treibt dich an, dieses enorme Pensum durchzuhalten, ohne dass die Freude am Lesen auf der Strecke bleibt?
Tatsächlich habe ich noch genug Zeit zum Schlafen und achte auch auf gute Ernährung und ausreichend Bewegung. Meinen Buch-Blog dauerleserin.de gibt es seit 2021. Das Bloggen über Bücher hat mir über eine wirklich schwierige Zeit in meinem Leben hinweggeholfen, und aus dieser Zeit habe ich viele nette Kontakte zu Autorinnen und Autoren, Verlagen und anderen Bloggerinnen und Bloggern mitgenommen.
Ich lese noch immer verhältnismäßig viel – auf meinem Blog findet ihr fast 600 Rezensionen. Inzwischen konzentriere ich mich aber stärker auf meine Tätigkeit als freie Lektorin. Meine innige Liebe zu Büchern ist geblieben, und da kann es auch immer noch passieren, dass ich eine Nacht durchlese.
Du schreibst, dass du Autorinnen und Autoren gerne mit „ellenlangen E-Mails voller Rechtschreib- und Grammatikkorrekturen“ beglückt hast, und mittlerweile bist du zertifizierte Lektorin. Das ist ein schmaler Grat zwischen wertschätzender Kritik und unerbetener Korrektur. Wie gelingt dir dieser Balanceakt – und hat die intensive Arbeit an fremden Texten verändert, was du selbst als gutes Erzählen empfindest?
Das mit den „ellenlangen E-Mails“ hast du auf meiner Website gefunden, oder? Das hat inzwischen allerdings (fast) aufgehört – außer jemand bittet mich ausdrücklich darum, zum Beispiel, wenn ich als Testleserin mitlese. Meine Liebe zu Rechtschreib- und Grammatikregeln ist aber definitiv geblieben.
Natürlich hat sich mein Leseverhalten mit der Zeit verändert. Ein Fun Fact: Ich lese bei Büchern jetzt oft das Ende zuerst. Das hätte ich früher nie gemacht. Bei einem Lektoratsauftrag ist das aber fast ein Muss – denn wenn man weiß, wie die Geschichte ausgeht, kann man das Manuskript ganz anders überarbeiten.
Nicht immer gefällt mir alles, was ich auf den Tisch bekomme, oder ich sehe ein gewisses Entwicklungspotenzial. Da braucht es dann schon ein bisschen Fingerspitzengefühl. Die meisten Autorinnen und Autoren haben ihr Manuskript mehrfach umgearbeitet, an den Sätzen herumgebastelt, recherchiert – und ich bin mir dessen bewusst. Aber durch meine Erfahrung fallen mir Dinge auf, die sich verbessern lassen. Beim Lektorat wie beim Korrektorat achte ich auf wertschätzende Kritik, und oft ist es ja auch keine Kritik im eigentlichen Sinne, sondern eher ein Austausch, ein gemeinsames Diskutieren. Meine Änderungsvorschläge sind bei einem Auftrag ohnehin nicht unerbeten, was das Ganze leichter macht. Im Idealfall kommen die Autorinnen und Autoren im Gespräch selbst darauf, wo es im Manuskript hakt – und dann wird die Überarbeitung umso besser. Ich bewundere alle, die ein Buch zu Ende schreiben, und freue mich, wenn ich sie dabei unterstützen darf. Ich hänge an jedem Buch, an dem ich in irgendeiner Form mitgewirkt habe, und ich denke, dass man das auch merkt.
Was mir bei allen Projekten am allerwichtigsten ist: der Lesefluss. Wenn ich beim letzten Durchgang irgendwo stocke – sei es inhaltlich oder stilistisch –, dann gehe ich der Sache nach, werde also auch zur Ermittlerin. Und dann kann es schon einmal sein, dass ich wieder nachtaktiv werde.
Weil ich noch immer am liebsten Krimis und Thriller lese, fühle ich mich besonders mit allen Mörderischen Schwestern verbunden, denen ich auf Anfrage auch einen Rabatt gewähren kann. Infos zu meinem Angebot gibt es auf dauerlektorin.de.
Bei den Mörderischen Schwestern verrätst du, dass du ein eigenes Buchprojekt am Laufen hast. Du liest, du lektorierst, du schreibst über Bücher – jetzt also auch ein eigenes?
Ups. Ich werde oft danach gefragt. Irgendwie erwartet man von Leuten, die sich professionell mit Büchern beschäftigen, anscheinend, dass sie auch selbst schreiben. Tatsächlich durfte ich vor über dreißig Jahren drei Kurzgeschichten in einer Anthologie veröffentlichen. Seitdem sind viele weitere Kurzgeschichten entstanden – eher für die Schublade. Aber ich probiere gern etwas aus, verschiedene Erzählperspektiven zum Beispiel. Mal schauen, wohin meine persönliche (Buch-)Reise noch geht.
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