Kaja Neff

Drei Fragen an … Kaja Neff

Kaja Neff heißt eigentlich Karin Elona Neff. Sie hat nach dem Abitur Jura studiert, aber nur das Strafrecht hat ihr gefallen. Als sie vollkommen ratlos war, ob sie weitermachen oder aufhören sollte, ist sie für 6 Monate in die USA gegangen und hat sich dort, wie sie sagt, so durchgeschlagen. Zurück in Deutschland studierte sie in München und Berlin Theater- und Literaturwissenschaft. Eigentlich wollte sie selbst gleich losschreiben. Aber sie hat es nicht getan, sondern erstmal das Studium abgeschlossen. Anschließend war sie fest angestellte Lektorin bei Senator Film, Redakteurin bei Sat.1 und beim ORB, Dramaturgin und Autorin für diverse Fernsehserien, darunter für „In aller Freundschaft“, „Hauptstadtrevier“ und „XY ungelöst“. Durch diese Reihe hatte sie sich schon als Teenie für rätselhafte Verbrechen interessiert.

 

Mit zwölf hast du im Wald deinen Freundinnen eine erfundene Geschichte als True Crime verkauft – und sie haben dir trotzdem zugehört. Vom Jurastudium über die Dramaturgie bei „Aktenzeichen XY ungelöst“ bis hin zu deinen eigenen Thrillern zieht sich diese Faszination für das Kriminelle wie ein roter Faden durch dein Leben. War dir irgendwann bewusst, dass du diesem Thema nicht mehr entkommen würdest – oder hat es dich einfach immer wieder eingeholt?

Ja, ich wollte schon immer Spannungsliteratur schreiben. Heute frage ich mich, warum ich nicht mit Mitte zwanzig meinen ersten Thriller geschrieben habe. Es war wohl die Angst vor der Ablehnung. Ich habe lieber anderen Leuten bei ihren Stoffen geholfen als mir selbst. In das Vertrauen, dass ich es kann, musste ich erst hineinwachsen. Dann hatte ich einen Job, bei dem ich gemoppt wurde. Ich habe gekündigt und eine Zeitlang als freie Lektorin und Autorin gearbeitet und mir die Zeit fürs Schreiben genommen. Und ich habe jedem erzählt, was ich vorhabe, damit ich keinen Rückzieher mehr machen kann.

Deine Thriller spielen an der Mosel, in der Landschaft deiner Kindheit. Du sprichst von einer „Mixtur aus Romantik und Schrecken, wie sie nur die Idylle liefern kann“. Was macht gerade diesen Kontrast so ergiebig für deine Geschichten – und gibt es einen konkreten Ort an der Mosel, der dich besonders in dunkle Erzählwelten zieht?

Es gibt ja den Ausspruch, wenn du deine Kindheit überlebt hast, hast du genug Stoff für den Rest deines Lebens. Zumindest prägt sie dich, so viel ist klar. Das Leben auf dem Land liefert dir mitunter sehr intensive Begegnungen. Weil man von den anderen so viel mehr mitbekommt als in großen Städten, wo sich alle aus dem Weg gehen (können).  Meine Mutter und ich haben mal einen jungen Mann aufgehalten, der in den Wald laufen wollte und fürchterlich weinte. (Also meine Mutter hat ihn aufgehalten, ich hatte Angst.) Es stellte sich heraus, dass er gerade seinen Freund im Streit erstochen hatte. Da war diese Mondnacht und diese fürchterliche Tat. Solche Eindrücke bleiben. Davon abgesehen liebe ich die Natur an der Mosel, besonders den Wald. Heutzutage ist er ja eher Parklandschaft als Wildnis. Aber ich würde nicht drauf wetten. Kurz gesagt: Die Idylle regt meine Fantasie definitiv mehr an als der Asphaltdschungel.

 

Zwischen „Der Junge im Wald“ (2019) und „Rotkäppchen ist der Wolf“ (2025) liegen sechs Jahre. Was ist in dieser Zeit mit dir als Autorin passiert – und was hat sich an deinem Blick auf das Erzählen verändert?

Ich bin langsam. Und ich hatte eine Herzoperation. Eine Herzklappe musste repariert werden, was weit beschwerlicher war, als ich es mir vorgestellt hatte. Aber davon abgesehen, bin ich schwer davon zu überzeugen, dass ein Buch von mir fertig ist. Ich hoffe, ich schreibe mit jedem Roman immer besser. Das wäre schön. Und ich möchte einmal einen Text von mir lesen und nicht denken, den musst du noch überarbeiten. Und überarbeiten. Und … Falls ich nicht besser geworden bin, bin ich immerhin cooler geworden. Bei der ersten Ein-Sterne-Kritik dachte ich, die Welt geht unter. Jetzt denke ich doch tatsächlich, ich kann’s nicht jedem Recht machen. Auch wenn ich noch länger an dem Stoff gearbeitet hätte, wird er manche Leute nicht erreichen. Punkt. Für mich ist das ein Riesenfortschritt. Vielleicht macht es mich auf die Dauer schneller.

 

Du hast mit dem zweiten Thriller auch einen neuen Namen angenommen – Kaja statt Karin. Was bedeutet es für dich, einen vertrauten, familieninternen Namen mit deinen Leserinnen und Lesern zu teilen?

Ich wollte den Namen schon beim ersten Roman benutzen. Aber das hat mir eine Lektorin ausgeredet. Angeblich habe ich mich als Kind selbst Kaja genannt und mein Onkel hat das für den Rest seines Lebens beibehalten. Das hatte so was Nettes, das ich nach seinem Tod sehr vermisst habe. Dann haben meine jüngere Schwester und meine Nichte vor ein paar Jahren wieder damit angefangen. Ich glaube, Karin und Kaja sind nicht dieselbe Person. Kaja nimmt die Dinge viel leichter als Karin. Sie ist noch ein bisschen das Kind, das die Welt mit Staunen und Vertrauen betrachtet. Karin musste dafür zu viel einstecken. Sie sieht alles pessimistischer. Aber vielleicht ist sie die Realistin von uns beiden. Ich überlege mal. Nein, wir sind beide Fantasten, rechnen mit dem Schlimmsten und hoffen trotzdem auf wunderbare Lösungen.

 

Mehr über Kaja Neff auf ihrer Website: https://karin-neff.jimdosite.com/

Die Fragen stellte Sabine Griebel. 

Beitragsfoto: privat

Neff_Rotkäppchen ist der Wolf

Kaja Neff: Rotkäppchen ist der Wolf

Selfpublishing, Vertrieb durch Tolino Media, amazon
469 Seiten, Taschenbuch, E-Book
ISBN: 9783759253897
ET: 4.12.2025