von Hannelore Koch
Wie arbeitet der Zoll am Münchner Flughafen? Und wie werden die Spürhunde ausgebildet?
Mitglieder der Regiogruppe Bayern wollten es genau wissen und erlebten einen aufregenden und interessanten Tag in München.
Start in der Airport Academy
Die ganztägige Exkursion begann in der Airport Academy, wo wir uns zu einem zwanglosen Gespräch mit Kaffee trafen. Danach wurden wir zum Frachtterminal chauffiert und besuchten den Flughafen-Zoll. Dort bekamen wir einen seltenen Einblick in die Asservatenkammer, die nicht öffentlich zugänglich ist.
Was beschlagnahmt der Zoll eigentlich? Grundsätzlich werden Gegenstände, die gegen Einfuhrverbote, den Artenschutz (Tierprodukte wie etwa Elfenbein, Schildpatt, Korallen, Kaviar über 125 Gramm, bestimmte Lederprodukte, Medizin mit tierischen Bestandteilen, exotische Pflanzen wie Orchideen ohne die erforderlichen Dokumente), das Waffenrecht (Waffen und Munition, nicht zugelassene Feuerwerkskörper), den Gesundheitsschutz (Lebensmittel, Pflanzen, die Einfuhr von Fleisch- und Milchprodukten aus Nicht-EU-Staaten ist strikt verboten; Obst, Gemüse und Pflanzen aus Nicht-EU-Ländern dürfen ohne entsprechende Dokumente nicht eingeführt werden) oder die Plagiatsbestimmungen (hierunter fallen u. a. gefälschte Markenkleidung, Uhren, Taschen, Schuhe und Elektronik) verstoßen, einkassiert. Auch verfassungswidrige Medien wie Schriften oder Ton- und Bildträger, illegale Betäubungsmittel, gefälschte Medikamente oder riesige Mengen an Medikamenten kommen nicht ungehindert durch den Zoll. Außerdem werden Waren beschlagnahmt, wenn die Reisefreimenge überschritten wird, oder wenn sie nicht angemeldet wurden. Auch wenn der Verdacht auf gewerblichen Schmuggel besteht, greift der Zoll ein. Was viele nicht wissen, ist, dass man weder unangemeldetes Bargeld oder Wertgegenstände mitbringen darf noch Schmuggelware wie teure Elektronik (das neueste iPhone!), Luxusuhren, Schmuck, also Waren, deren Wert die die Grenze von insgesamt 430 Euro übersteigt. Wer sich nicht daran hält, muss mit einer Beschlagnahme zur Sicherung der Steuer und einem Strafverfahren rechnen. In der Asservatenkammer, die keine 30 Quadratmeter umfasst, stapeln sich die o. g. Gegenstände in den Regalen und an den Kleiderständern: Leopardenmäntel, Schlangenlederschuhe, Krokodiltaschen, gefälschte Burberry-Handtaschen, Markensportschuhe und, und, und. Gruselig waren die Schnapsflaschen mit den eingelegten Schlangen (Kobras etc.). Merke: Nie ein Getränk annehmen, wenn man vorher nicht die Flasche gesehen hat!
Interessant war auch ein Silberring mit Intarsien. Auf den ersten Blick sah es so aus, als wäre ein schwarzer Draht in den Ring eingearbeitet worden, bei näherer Prüfung stellte sich heraus, dass echtes Elefantenhaar verarbeitet wurde. Hier gilt wieder die alte Regel: Souvenirs genau anschauen und im Zweifelsfall die Finger davon lassen! Dasselbe bezieht sich auch auf die vermeintlichen Tigerpflaster und sonstigen Arzneien, die man aus nichteuropäischen Ländern einführen möchte. Im Ernstfall sind Tiere zu Schaden gekommen, also besser nicht kaufen!
Die Zollbeamten bewegen sich nicht nur hinter ihren Schaltern oder in ihren Büros, nein, sie sind auch oft in Zivil am Flughafen unterwegs. Hin und wieder hilft „Kommissar Zufall“ bei der Überführung eines Schmugglers oder Einfuhrbetrügers. Wie etwa bei einem Mann, der aus Südamerika anreiste und angeblich seinen Vater in Deutschland im Krankenhaus besuchen wollte. Dumm war nur, dass er nicht wusste, in welcher Klinik sein Vater untergebracht war. Das fand der Zollbeamte merkwürdig, denn als Angehöriger weiß man solche Dinge. Der Herr wurde schließlich zu einem intensiveren Gespräch in die Dienststelle mitgenommen.
Im BR gab es zu diesem Thema übrigens einen interessanten Audiobeitrag mit dem Titel „Die Kammer des Schreckens“, der unter diesem Link aufgerufen werden kann: www.br.de/nachrichten/bayern/kobras-und-korallen-verbotene-souvenirs-am-flughafen-muenchen
„An Hund is des wurscht, wos er suacht. Hauptsach’, er bekommt a Belohnung.“
Die Hundestaffel
Nach der „Kammer des Schreckens“ fuhren wir gemeinsam zu einem Bauernhof, wo die Hundestaffel des Flughafens untergebracht ist. Die meisten Teilnehmerinnen freuten sich schon auf die Hunde. Aber zuerst bekamen wir ein wenig Theorie vermittelt:
Es gibt verschiedene Arten von Spürhunden, je nach Einsatzbereich. Für die Behörden und die Sicherheit arbeiten Rauschgift- bzw. Drogenhunde, Sprengstoffhunde und Brandmittelspürhunde, die Brandbeschleuniger finden, um Brandstiftung nachzuweisen. Daneben gibt es aber auch Geld- bzw. Banknotenspürhunde, die versteckte Bargeldmengen finden, beispielsweise die „versteckten 500-Euro-Scheine im Fellstiefel“. Ferner gibt es Handyspürhunde, die elektronische Speichermedien wie USB-Sticks, Festplatten und Mobiltelefone finden können. Interessanter wird es bei der Personen- und Rettungssuche. Es gibt sog. Mantrailer, also Hunde die Personen suchen, Trümmer- oder Lawinensuchhunde und Fährtensucher. Im Bereich Natur und Umwelt finden Artenschutzhunde bestimmte Tiere, Pflanzen oder Nester geschützter Arten. Schließlich suchen Kadaverspürhunde Tierkadaver und dienen somit der Seuchenbekämpfung (Stichwort: Afrikanische Schweinepest). Für die Gourmets unter uns: Es gibt spezielle Trüffelhunde, die darauf spezialisiert sind, diese Spezialität zu finden. Der Lagotto Romagnolo aus Italien ist dafür gut geeignet.
Die Ausbildung zum Spürhund ist sehr intensiv und setzt eine enge Beziehung zum Hundeführer voraus. Die Hunde brauchen sehr viel positive Bestärkung, müssen einen starken Spiel- und Beutetrieb haben und vom jeweiligen Hundeführer eine präzise Konditionierung erfahren, d. h. sie müssen genaue Befehle erhalten und eine sofortige Belohnung bei gefundenem Menschen oder Objekt. Zudem dürfen die Hunde keine Angst vor lauten Geräuschen, engen Räumen, Dunkelheit oder Menschenmengen haben. Sie müssen körperlich absolut fit und nervenstark sein sowie eine leistungsfähige Nase mitbringen. Grundsätzlich kann kein einzelner Hund allein ein großes Flugzeug absuchen. Er benötigt eine Pause, bzw. es muss stets ein zweiter Hund einsatzbereit sein. Die Ausbildung der Hunde beginnt im Alter von ca. ein bis drei Jahren. Mit drei Jahren steht ein Hund in der Blüte seines „Arbeitslebens“ als Spürhund, mit sechs Jahren geht er in den Ruhestand, d. h. er lebt dann bei seinem Hundeführer und dessen Familie. Der Hund ist ein vollwertiges Familienmitglied, nach Dienstschluss befindet er sich beim Hundeführer. Beliebte Rassen beim Einsatz sind: Deutscher Schäferhund, Belgischer Schäferhund und Labrador Retriever, weil sie nicht so furchteinflößend auf Menschen, aber auch auf andere Hunderassen, wirken.
Am Schluss erheiterte uns die Aussage von Herrn Werth, der die Führung für uns organisiert hat: „An Hund is des wurscht, wos er suacht. Hauptsach’, er bekommt a Belohnung.“ Dies ist in den meisten Fällen sein Spielzeug, mit dem er konditioniert wird. Der Hund weiß, dass er sein Spielzeug bekommt, wenn er etwas gesucht und gefunden hat. In unserem Fall hatte Spürhund Cliff den Sprengstoff sehr schnell gefunden und wurde vom Hundeführer mit ein paar Leckerlis und seinem Spielzeug belohnt. Interessant war, wie Cliff sich in seinem Verhalten änderte, als er in den Suchmodus geriet. Man hörte es an der Atmung. Er zeigte seinen Fund passiv an, indem er einfror, d. h. er bewegte sich nicht mehr.
Summa summarum war der Flughafenbesuch sehr informativ und lehrreich. So manche Teilnehmerin äußerte, dass sie gern Hundeführerin im Zweitberuf sein würde. An dieser Stelle geht ein großer Dank an unsere Schwester Sabine Rachen, die den Besuch organisiert hat.
Bildnachweis: Brigitte Wehrmann