Fünf Minuten Gänsehaut für den Weg zur Arbeit – und jetzt ein Psychothriller mit 456 Seiten. Julia Q BURGstaller, Linguistin, Sprachcoach und Leiterin der Gruppe International, hat für beides ein Faible. Sabine Griebel hat mit ihr über linguistische Leichen gesprochen, über das Schreiben zwischen 16 Ländern und darüber, warum offene Enden dem wahren Leben näher sind als jede Auflösung.
Du bist Linguistin und Sprachcoach und schreibst gleichzeitig Spannungsliteratur – wie beeinflusst dein professioneller Blick auf Sprache deine Arbeit als Thrillerschreiberin? Gibt es Wörter oder Strukturen, die für dich besonders „mörderisch“ sind?
Sie beeinflusst mich, weil ich durch die Linguistik einen vielfältigen Blick auf die Sprache als Werkzeug habe. Wir beeinflussen damit die Leserin, bewusst oder unbewusst. Als Autorin und Wortkünstlerin bin ich mir dieser Verantwortung bewusst. Daher experimentiere ich mit dem Werkzeug Sprache. Sprache benutzen zu können, wie wir es für richtig halten, ist eine der Freiheiten, die wir nützen können. Zudem hat es mir immer schon gefallen, das Nützliche mit dem Vergnüglichen zu verbinden. Daher habe ich mir vorgenommen Texte zu schaffen, die zum Nachdenken anregen, aber gleichzeitig durch Spannung Freude bereiten. Besonders mörderisch finde ich den Perspektivenwechsel. Die linguistischen Leichen befinden sich immer dort, wo wir die Wörter umdrehen.
Als Leiterin der internationalen Gruppe der Mörderischen Schwestern bist du die Schnittstelle zu Mitgliedern aus 16 Ländern. Wie prägt diese internationale Perspektive deine Geschichten – und was bedeutet es für Krimiautorinnen, in einer Welt zu schreiben, in der Grenzen zwar verschwimmen, Kulturen aber hartnäckig verschieden bleiben?
Die Abdeckung unterschiedlichster Perspektiven und Szenen finde ich besonders reizvoll. In einer Welt der kurzen Aufmerksamkeitsspanne bieten sie auf dem Pendlerinnenweg kurze Abwechslungen. Erzählt wird wesentlich kompakter. Es gilt flott zum Punkt zu kommen oder mit offenen Enden leben zu können. Letztere haben auch ihren Reiz, zumal auch im wahren Leben kaum jemals alles bis ins Detail geklärt werden kann. Selbst das »Sich-Verlieben« in der klassischen Liebesgeschichte ist kein Ende, in Wahrheit ist es ja erst der Anfang des Dramas!
Bonusfrage
Du veröffentlichst gerade einen Psychothriller – also ein Format, das deutlich mehr Raum beansprucht als deine Minithriller. Was hat dich zu diesem Schritt bewogen, und wie anders fühlt es sich an, einer Figur über Hunderte von Seiten in den Kopf zu kriechen, statt sie in wenigen Minuten zu erledigen?
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Die Fragen stellte Sabine Griebel.
Beitragsfoto: privat
Julia Q BURGstaller: Machtfach.
Hierarchie tötet. Ein Schulthriller
Verlag Buchschmiede
ISBN 978-3-99192-755-6 (Softcover)
ET 25.9.2026