„Frau Goethe liest“ — hinter diesem Namen steckt keine, die im Schatten eines großen Dichters wartet, sondern eine, die selbst sendet: als Bloggerin, Podcasterin, Radioredakteurin, und bald auch als Autorin eines Workbooks für alle, die ihre Inhalte nicht dem Zufall überlassen wollen. Sabine Griebel hat Heike Stepprath gefragt, wie ein britisches Forum einen deutschen Kulturnamen gebar — und warum das Buch meistens schon vorgibt, wo sich seine Lesenden tummeln.
Dein Podcast trägt den wunderbar pointierten Titel „Frau Goethe liest“ – ein Name, der zwischen Augenzwinkern und einer leisen Verbeugung vor jener Frau changiert, die im Schatten des großen Dichters ihre eigene Stimme oft erst behaupten musste. Wie kam dieser Name zu dir, und was möchtest du in deinem Podcast hörbar machen, das in klassischen Literaturformaten leicht untergeht?
Frau Goethe liest ist schon 2002 in einem britischen Cosy Mystery Forum entstanden. Ich wollte im Namen verdeutlichen, dass ich keine Muttersprachlerin bin. Als die Foren auch in Deutschland immer mehr wurden, habe ich mich dort noch unter anderen Namen beteiligt. Erst als ich 2016 meine Blogplattform mit den dazugehörigen Social Media Kanälen neu aufgesetzt habe, wurde Frau Goethe liest dauerhaft etabliert. Dazu gehörte auch ein Podcast, der zunächst für Interviews genutzt wurde, später auch für ausführliche Rezensionen, bis letztes Jahr auch noch die 3×5 Snacks dazukamen. Die große Zielgruppe der Buchinteressierten teilt sich in Leser:innen und Hörer:innen auf. Der Podcast richtet sich also an diejenigen, die morgens auf dem Weg zur Arbeit schon auf der Suche nach Buchtipps sind, sich ihren Lieblingsschreibenden anhören wollen oder am Feierabend die Hintergründe zu den ausführlichen Rezensionen erfahren wollen.
Du bewegst dich erstaunlich vielstimmig zwischen den Medien: Podcast, Blog, Instagram, Radio, Kirchenzeitung – das gesprochene und das geschriebene Wort liegen bei dir nahe beieinander. Wo fühlst du dich am meisten zu Hause, und gibt es Themen oder Bücher, die du bewusst nur einem Medium anvertraust, weil sie woanders nicht atmen könnten?
Jede Zielgruppe hat ihre eigenen Vorlieben — deshalb hat jeder Kanal seine Berechtigung. Im Studium für Öffentlichkeitsarbeit habe ich gelernt, wie man jeden Kanal am besten für die jeweilige Zielgruppe nutzt. Deshalb kann ich auch gar nicht sagen, wo ich mich mehr zu Hause fühle. Wenn ich als Radioredakteurin unterwegs bin, ist es das gesprochene Wort; wenn ich als Bloggerin eine Buchempfehlung ausspreche, ist es der Text. Grundsätzlich lässt sich vieles in alle Kanäle übersetzen — einen Blogtext schreibe ich so um, dass er sich auch gesprochen natürlich anhört, aus einer Podcastidee mache ich mit einigen Videos ein Instagram-Reel. Die eigene Zielgruppe muss man dabei immer vor Augen haben. Der Wurm muss dem Fisch schmecken. Meistens gibt das Buch ja schon vor, wo sich die Lesenden tummeln.
Du arbeitest gerade an einem Workbook für Blogger:innen – ein Format, das nach Praxis, Struktur und ehrlich verfasstem Erfahrungswissen verlangt. Was hat dich dazu bewogen, dein Wissen in diese Form zu gießen, und welche Erkenntnis hättest du dir selbst gewünscht, als du mit dem Bloggen angefangen hast?
Mein Arbeitstitel heißt Planen – Posten – Durchatmen. ET soll Ende September sein. Für meine eigenen Formate Blog, Podcast und Instagram habe ich einen genauen Plan, was, wo, wann und für wen veröffentlicht wird. Die Informationen müssen für die jeweiligen Leser:innen ansprechend sein und benötigen passende visuelle Darstellungen. Inzwischen sind die Anforderungen an Blogger:innen und Autor:innen ähnlich hoch, damit sie eine gewisse Reichweite erlangen. Von daher lag die Idee zu einem Workbook auf der Hand. Ich möchte damit eine Hilfestellung in Form von Checklisten und Tabellen geben, damit man nicht unnötig Zeit verschwendet, die man eigentlich zum Lesen nutzen möchte. Ich habe früher auch Dinge doppelt machen müssen, weil ich irgendwas vergessen habe. Das soll mit dem Workbook verhindert werden. Übrigens muss man dafür nicht bloggen. Es hilft allen, die ihre Themen im Netz zeitsparend unterbringen wollen.
Die Fragen stellte Sabine Griebel.
Beitragsfoto: privat
Homepage: https://fraugoetheliest.wordpress.com/
Podcast Spotify: https://open.spotify.com/show/7fJU9tmnvF8wAbhGHDLnOS