Krimitipp Mai 2022

Katharina Eigner empfiehlt ...

„Darf‘s ein bisserl Mord sein?“ Der österreichische Podcast zum Thema wahre Verbrechen

Franziska Singer und Amrei Baumgartl im Interview mit Katharina Eigner über ihren preisgekrönten Podcast - mit Charme, Humor und Wiener Schmäh

1. Wo lebt ihr? Was war das AE, das zum Podcast geführt hat?

F: Wir wohnen beide in Wien – ich schon ein paar Jahre länger als Amrei. Als ich in einem Sommer mehrmals mehrere Stunden im Zug verbringen musste, um zu Dreharbeiten nach München und Tirol zu fahren, hab ich True Crime Podcasts für mich entdeckt – auf Englisch. Da hab ich mir gedacht, das würde ich auch gern machen! Und etwas über ein Jahr später ist dann DEBMS zur Welt gekommen – am 9.12.2019.

A: Ich bin aus Kärnten vor etwas mehr als vier Jahren nach Wien gezogen. Bei mir war es ganz klar Franziska, die mich auf das Phänomen Podcast und insbesondere True Crime gebracht hat. Ich muss zugeben, dass ich anfangs ein bisschen irritiert war, wie man solche Themen toll finden kann, aber sehr schnell hat die Faszination für True Crime übergegriffen. Als Franziska mich dann fragte, ob wir gemeinsam den Podcast starten wollen, musste ich nicht lang überlegen.


2. Warum Podcast und nicht Blog?

A: Mit gesprochener Sprache kann man, meiner Meinung nach, einfach noch ein bisserl mehr ausdrücken.  Franziska und ich sind beide ausgebildete Schauspielerinnen und Sprecherinnen und ich glaube, dass wir durch unseren Dialog die Fälle lebendiger darstellen können, als wenn wir sie nur ausschließlich schriftlich online stellen würden. Zusätzlicher Pluspunkt: Ein Podcast kann Menschen in vielen unterschiedlichen Alltagsmomenten begleiten, wie z.B. beim Laufen, Autofahren, Putzen, etc.

F: Da stimme ich Amrei zu. Außerdem waren es ja Podcasts, die mich auf das Thema gebracht haben.


3. was ist eure kriminelle Vorgeschichte?

A: Bleibt das unter uns? :) Scherz beiseite. Ich habe in meiner Vergangenheit u.a. in meinem Bekanntenkreis unterschiedliche Formen von häuslicher Gewalt, Unterdrückung und Übergriffe erlebt, daher ist mir die Enttabuisierung solcher Geschehnisse ein besonderes Anliegen - und auch immer wieder, zu betonen, dass die Schuld zu 100% bei den Täter*innen liegt und nie bei den Opfern.

F: Ich bin mal ohne zu zahlen aus einem Restaurant gegangen, weil ich so in Gedanken vertieft war. Zum Glück waren meine Freunde noch dort, und haben meinen Teil der Rechnung übernommen!


4. Wonach sucht ihr und was sind No-Gos?

F: Ich versuche immer, Fälle zu finden, die noch nicht 1000-mal behandelt wurden. Daher wird man bei uns nichts über die bekanntesten Serienmörder hören, wie Charles Manson oder Ted Bundy. Ein großes Plus ist für mich auch immer, wenn der Fall auf irgendeine Art etwas ganz Besonderes hat – wie zum Beispiel eine Flucht über die Dächer Berlins oder eine falsche Baroness auf einer Insel.

A: Ich such ganz oft nach Logik – meistens ohne Erfolg. Wir versuchen so gut es geht die Hintergründe der Taten zu erforschen und auch viel über die Geschichte der Opfer zu erzählen und nicht nur über die der Täter*innen, auch um zu zeigen, dass Opfer nie einfach namenlose „Kollateralschäden“ wurden, sondern Menschen mit Familie, Freunden und Zukunftsträumen.


5. Was ist das Skurrilste, das euch je untergekommen ist?

A: Menschen.

F: Ich mag es, manchmal Leute zu beobachten. Wenn man lang genug zum Beispiel in einem Park sitzt und einfach nur schaut, was passiert, kann man einiges an skurrilen oder lustigen Dingen sehen. Was unsere Fälle betrifft, da bin ich immer wieder überrascht, auf was für Ideen die Leute kommen! Ganz spontan fällt mir als Beispiel der junge Mann ein, der mehrmals unentdeckt in den Buckingham Palast eingedrungen ist.


6. Der Wiener Schmäh gehört zu DEBMS. Wien und Tod, die ideale Symbiose?

A: Eindeutig. Ich glaube keine andere Stadt kann so düstere Themen wie Mord und Tod so charmant und liebenswert als Kulturgut lebendig halten.

F: Uns persönlich tut es gut, den Humor auch bei den schlimmen Fällen nicht ganz auszulassen. Natürlich machen wir uns nie über die Opfer und was ihnen angetan wird lustig! Aber ganz ehrlich: Lachen und Weinen liegen nah beieinander.  Mit Humor lässt sich alles leichter verarbeiten.  Aber es wird nicht von ungefähr kommen, dass wir ausgerechnet in Wien daheim sind!


Darf's ein bisserl Mord sein? Der True Crime Podcast aus Österreich: https://www.darfseinbisserlmordsein.com/

Krimitipp April 2022

Cornelia Härtl empfiehlt …

…  True Crime K9 Podcast

Der Individualgeruch eines Menschen ist so einzigartig wie sein Fingerabdruck. Ihm zu folgen ist die Aufgabe von eigens dafür trainierten Personenspürhunden. Wie das in der Praxis aussieht, welche Möglichkeiten und Grenzen es dabei gibt, wird im True Crime K9 Podcast anschaulich von einer Fachfrau erläutert.

 

Der Vermisstenfall Frauke Liebs beschäftigt seit 2006 viele Menschen in Deutschland: Die junge Frau verschwand während der Fußball-WM nach dem Besuch eines Pubs in Paderborn scheinbar spurlos. Im darauffolgenden Oktober wurde sie tot aufgefunden. Die Umstände ihres Verschwindens sind mehr als rätselhaft. Der Mörder oder die Mörderin wurde bisher nicht gefasst.

Es ist einer der Vermisstenfälle, die Harmke Horst in ihrem True Crime K9 Podcast vorstellt. Hier geht es um echte Fälle, in denen entweder ein Mensch spurlos verschwindet. Oder der bzw. die Täter*in nach einem Leichenfund bis heute nicht gefasst werden konnten. Für die Angehörigen bleibt die Ungewissheit, was passiert ist und die Frage nach dem Warum. Zusätzlich haben alle Fälle einen gemeinsamen Schwerpunkt: Es wurden die unterschiedlichsten Spezialhunde als ein mögliches Einsatzmittel bei den Ermittlungen eingesetzt.

Denn Personenspürhunde, auch Mantrailer genannt, sind das Spezialgebiet von Harmke Horst. Es sind Hunde, die darauf ausgebildet wurden, nach dem sogenannten Individualgeruch eines Menschen zu suchen. Das kann eine vermisste Person sein, aber auch jemand, der oder die in ein Verbrechen verstrickt ist. Dieser Individualgeruch ist so einmalig wie der Fingerabdruck. Als Vergleich erhält der Mantrailer am Start einen Geruchsartikel zum Anriechen unter die Nase gehalten. Von nun an verfolgt er die letzte gelaufene Spur, auch Trail genannt, um die gesuchte Person zu finden. Wie genau das funktioniert, welche Möglichkeiten und Grenzen es dabei gibt, schildert die Autorin anschaulich und kompetent.

Jede Episode ist 15 – 20 Minuten lang, im Abstand von zwei Wochen wird jeweils ein neuer Fall geschildert. Gegebenenfalls spricht die Autorin eine Triggerwarnung aus, wenn es zum Beispiel um sexualisierte Gewalt und/oder Gewalt gegen Kinder geht.

Harmke Horst ist Kommunikationswissenschaftlerin. Sie lebt in der Nähe von Frankfurt am Main und beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit dem Mantrailing. Sie ist Trainerin eigener Mantrailinggruppen, gibt Seminare im In- und Ausland und teilt ihr Wissen unter anderem in ihrem True Crime K9 Podcast. Selbst arbeitet sie gemeinsam mit ihren beiden Schäferhündinnen Tick und Esra im Bereich der Ernstfallsuche. Außerdem ist sie als Texterin und Autorin tätig. Neben der Leidenschaft fürs Mantrailing fotografiert Harmke gerne und ist in der Natur unterwegs. Zum Aufwärmen geht es in die Sauna. Regelmäßig bereitet sie dort Gästen erholsame Momente zum Beispiel mit musikalisch untermalten Duftreisen.

Cornelia Härtl schreibt als Autorin neben Krimis auch andere Genres. Sie ist aktiv bei den Mörderischen Schwestern e.V. und dort Mitglied der Webseiten-Redaktion. Podcasts sind für sie Inspirationsquellen und ihr Lieblingsmittel, um bei der Hausarbeit von selbiger auf unterhaltsame oder spannende Weise abzulenken.

Krimitipp März 2022

Barbara Ahrens empfiehlt ...

... "Der grüne Chinese" von Dagmar Scharsich

War eine Brandenburger Baronesse Deutschlands erste Privatdetectivin?

2009: Antiquarin Marie stößt auf uralte Romanhefte. »Wanda von Brannburg, Deutschlands Meisterdetectivin«. Eine weibliche Hauptfigur in einer Groschenheftserie der Kaiserzeit? Als noch faszinierender entpuppt sich jedoch das handgeschriebene Tagebuch einer jungen Landadligen, die in einen Polit-Thriller verstrickt wird. Ist diese Wanda etwa echt, hat sie wirklich gelebt?
1909: Im Berlin der Kaiserzeit muss sich Wanda unter Fremden durchschlagen. Es sind turbulente Tage – Wissenschaftler erforschen den drahtlosen Funkverkehr, der erste Zeppelin schwebt über Berlin. Und eine große Intrige ist im Gang …

Die Autorin, gelernte Theaterwissenschaftlerin, füttert uns zunächst mit umwerfenden Bildern von Maries chaotischem Alltag zwischen ihrem altersschwachen aber sehr charmanten Opa Willi, mit dem sie die Wohnung teilt, und Dauerfreund Fritz, den sie gern los wäre. Die Szenerie erweitert sich, als Marie eine höchst seltene Krimi-Serie aus der Kaiserzeit zum Kauf angeboten wird. Im Wäschekorb zwischen den Hefte-Stapeln findet sich ein Manuskript - Tagebuch oder Fiktion? Opa Willi hilft beim Entziffern der Sütterlinschrift. Was Wanda, die Protagonistin, auf eng beschriebenen Seiten notiert hat, erweist sich als mörderischer Politthriller rund um den ersten Zeppelinflug über Berlin, sozusagen ein Kaiserpanorama mit Privatdetektivin. Nicht minder spannend: der jungen Landadligen dabei zuzusehen, wie sie die ihr auferlegte Frauenrolle nach und nach hinter sich lässt. Marie wünscht sich, dass Wanda mit heiler Haut davongekommen ist und ein selbst bestimmtes Leben führen konnte; sie verfolgt noch die kleinste Spur, um ihre Identität zu klären. Höchster Lesegenuss, denn in diesem Krimi ist bis hin zu den Nebenfiguren alles kunstvoll komponiert.

Dagmar Scharsich: Der grüne Chinese, Argument Verlag mit Ariadne
2. Auflage 2018
584 S, 13 €, auch als E-Book erhältlich
ISBN 978-3867541800

Barbara Ahrens lebt als Schriftstellerin in Berlin und ist Mitglied bei den Mörderische Schwestern e.V.

Dagmar Scharsich lebt als Schriftstellerin in Potsdam

Krimitipp Februar 2022

Dorfleben und ein dunkles Kapitel Geschichte mitten im bayerischen Nirgendwo.

Der Mörderische-Schwestern-Krimitipp von Katharina Eigner ...

... Katharina Lukas: „Sacklzement!“

Reporterin Gundi Starck, die im niederbayerischen Hintersbrunn ihren Vater beerdigt, wittert eine Story

Gundi Starck, die „nur schnell“ aus München nach Hintersbrunn zurückkehrt, bleibt länger im Kaff ihrer Kindheit hängen, als ihr lieb ist.

Ein erhängter Hund, ein größenwahnsinniger Bürgermeister und viel Geschichts-Staub, der unter den Teppich gekehrt wurde. Gundis berufsbedingte Spürnase und der Hintersbrunner Wahlspruch „Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen“ sind Grund genug, Steine umzudrehen. Doch damit treibt sie ausgerechnet ihren Jugendschwarm und Dorfkaiser Django in die Enge.

Katharina Lukas hat in „Sacklzement!“ das liebevoll-kritische Bild eines Dorfes, irgendwo im idyllischen Nirgendwo gezeichnet, das zugleich Bilderbuchort und Mikrokosmos des Bösen ist. Stimmige Charaktere, geschmalzene Wortwahl und eine bedrückende Geschichte nehmen die LeserInnen mit, am Ende überrascht ein Twist.

Katharina Lukas stammt selbst aus einem niederbayerischen Dorf und schrieb nach ihrem Studium in München als Journalistin über Film, Musik und Mode. „Sacklzement!“ ist ihr erster Krimi. Katharina Lukas ist eine Mörderische Schwester.


Katharina Lukas: Sacklzement!, Gmeiner Verlag, 2021
ISBN: 978-3-8392-0073-5
Preis: TB € 12,00, eBook € 9,99

Krimitipp Januar 2022

Claudia Held, Inhaberin der Buchhandlung „Krimi Helden“ in Salzburg, empfiehlt...

...Sophie Reyer:  Clara und ihre Morde

Im Wien des frühen 20. Jahrhunderts hinterlässt Clara Löwenstein eine Blutspur...

Das Leben als Dame ist für Clara Löwenstein nicht einfach. Geldsorgen, Ängste und die Schatten ihrer schwierigen Kindheit prägen den Alltag. Ihr Kapital ist die Wirkung, die sie auf Männer ausübt. Zugleich haben viel zu frühe, viel zu schlechte Erfahrungen mit Männern ihren Weg bestimmt. Als sie mit ihrer Familie eine Villa am Stadtrand Wiens bezieht, wird ihr Leben um ein Kapitel reicher. Der sympathische Junggeselle Johann Glücksstein von nebenan verliebt sich in Clara, entdeckt aber ihre dunkle Seite.

Inspiriert von Wiens erster Serienmörderin hat Sophie Reyer einen Krimi erschaffen, der Einblicke in eine tief verwundete Frauenseele gibt. Die eingeblendeten Erinnerungen aus Claras Kindheit sind böse Ahnungen, wie es weitergehen könnte, und zugleich die Erklärung für Claras Überlebenstaktik. Zum Schluss überrascht das Buch mit zwei Wendungen und ist spannend bis zur letzten Seite.

„Clara und ihre Morde“ fängt das Wiener Flair nach der Jahrhundertwende perfekt ein und überrascht mit Twists.


Sophie Reyer wurde 1984 in Wien geboren und studierte an der Kunsthochschule in Köln. Sie ist Autorin zahlreicher Theaterstücke und Romane, erhielt Literaturpreise und gibt Lehrgänge für Film-, Medien- und Theaterwissenschaft.
 

Claudia Held ist Inhaberin von Salzburgs erster Krimibuchhandlung. Ihr kleiner, aber feiner Bücherladen begeistert seit Juli 2021 mit ErmittlerInnen rund um den Globus, Lesungen und einer guten Tasse Kaffee alle Krimifans. https://www.krimihelden.at/

Sophie Reyer: Clara und ihre Morde, Emons Verlag, 2021  
ISBN: 978-3-7408-1245-4
Preis: TB € 12,00, eBook € 9,49