Krimitipp Juli 2021

Coverdesignerin Anne Gebhardt empfiehlt ...

Danya Kukafka: Girl in Snow - Wer bist du, wenn niemand dich beobachtet?

Ein eisiger Februarmorgen. Ein schreckliches Verbrechen. Auf dem Spielplatz der Grundschule von Broomsville entdeckt der Nachtwächter die Leiche der jungen Lucinda Hayes - unter einer dünnen Schneedecke begraben. Sämtliche Spuren hat der frisch gefallene Schnee verwischt. Niemand in der beschaulichen Kleinstadt am Fuße der Rocky Mountains bleibt von der Tat unberührt – nicht der Junge, der Lucinda verstohlen auf Schritt und Tritt gefolgt war und der sich nicht mehr an den Vorabend erinnern kann. Nicht die junge Frau, die sich nach dem perfekten Leben sehnt, das Lucinda scheinbar führte. Nicht der Polizist, der den Mord untersucht und den der Fall auffallend mitnimmt. Denn alle drei wissen: Nichts geschieht ohne Grund.

Das Besondere an Danya Kukafkas Debütroman ist, dass „Girl in Snow“ Coming-of-Age Story und Kriminalgeschichte in einem ist. Ähnlich wie David Lynchs TV-Serie „Das Geheimnis von Twin Peaksׅ“ beschäftigt sich die Handlung des Romans nicht nur mit der Aufklärung des Mordes an Lucinda Hayes, sondern zeigt wie sich ihr Tod auf die vermeintliche Kleinstadtidylle und deren Bewohner, von denen jeder einzelne Geheimnisse hat, auswirkt.

Danya Kukafka; Girl in Snow - Wer bist du, wenn niemand dich beobachtet?, btb
Erschienen 8. Oktober 2018
ISBN: 978-3442716609
384 Seiten
Preis: TB 10,00 €, E-Book: 9,99 €

Krimitipp Juni 2021

Kolumnistin Katharina Eigner empfiehlt...

...Gabriela Kasperski: Bretonisch mit Aussicht

Gabriela Kasperski, Jahrgang 1962, studierte Anglistik. Sie war als Radio- und TV-Moderatorin und Schauspielerin tätig, schreibt Krimis, Romane und Drehbücher.
In ihrer Heimatstadt Zürich betreibt sie die „Geschichten-Bäckerei“, einen Ort für kreatives Schreiben. Ihre Urlaube verbringt sie in der Bretagne.
Gabriela Kasperski ist eine Mörderische Schwester.

Schon wieder ist Buchhändlerin Tereza Berger ganz nah am Verbrechen: ein ehemaliger Marineadmiral liegt tot am Strand von Camaret-sur-Mer, und eine Nonne soll ihre Gäste mit Fischsuppe vergiftet haben, ehe sie spurlos verschwand.
Tereza, selbst im Visier der Polizei, folgt unbeirrt ihrer Spürnase, die weit besser entwickelt ist als ihre Kochkenntnisse.
Sie stößt auf eine geheimnisvolle Grotte und erkennt, dass die beiden Fälle mit der Vergangenheit des bretonischen Dorfes verknüpft sind.

Gabriela Kasperski nimmt Frankreichs stürmischen Westen wieder als Bühne für ihre Protagonistin, die mit Alltagssorgen und dem schottisch-rauen Kommissar hadert.
Die liebenswerten Charaktere passen perfekt in die Gegend und zeichnen ein stimmiges Bild eines Dorfes am Meer. Zeitgeschichte, verwoben mit Flair und Spannung, dazu eine Prise Nonchalance und Wortwitz. „Bretonisch mit Aussicht“ macht definitiv Lust auf Klippen, Sturm und Fischsuppe!


Gabriela Kasperski: Bretonisch mit Aussicht, Emons
Erschienen: 22. April 2021
ISBN: 978-3-7408-1158-7
288 Seiten
Preis: TB: 13,00 €, E-Book: 9,49 €, Hörbuch: 19,95 €

 

Krimitipp Mai 2021

Krimi-Autorin Almuth Heuner empfiehlt...

...Anne von Vaszary: Die Schnüfflerin

Schwanger und plötzlich mit einem ungewöhnlich feinen Geruchssinn ausgestattet, setzt sich Die Schnüfflerin Nina auf eine verdächtige Duftspur, um die Hintergründe eines Giftanschlags in einem Berliner Nobelrestaurant aufzudecken.

Nina entdeckt, dass sie nach einem One-Night-Stand schwanger ist, und will das dem zukünftigen Vater sagen. Doch bevor sie beim Besuch eines teuren Berliner Restaurants dazu kommt, werden mehrere Gäste mit einer Zwiebelsuppe vergiftet. Nina glaubt ihren Freund Ricky ebenfalls unter den Opfern, aber sie wird abgelenkt durch die polizeiliche Untersuchung und ihren neuerdings ungewöhnlich feinen Geruchssinn. Letzteres nutzt der brummige Kommissar Koller gleich aus und setzt sie auf die Fährte des Gifts und einer geheimnisvollen Frau von der Restauranttoilette. Doch Nina verfolgt auf eigene Faust auch andere Hinweise - sie ist es gewöhnt, allein klarzukommen, denn ihre Mutter ist auf permanenter Weltreise, und ihren Vater hat sie nie gekannt. Jetzt sind Nina Merkwürdigkeiten an dem polnischen Koch des Restaurants aufgefallen, und sie hofft auch, dass sie die Duftspur der Fremden wiederfinden kann. Dass das eine zu nichts und das andere sie in große Gefahr führt, ahnt sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Ein klassischer, ja geradezu altmodischer Amateurermittlerin-Krimi. Ein bisschen raumgreifend erzählt - das Tempo eines Roadmovies wäre sonst noch besser herausgekommen -, aber voller skurriler und dennoch glaubwürdiger Figuren und Wendungen, die für gute Unterhaltung sorgen. Was mir auch gefallen hat: Weil im Buch so viel von Riechen und Gerüchen die Rede ist, achtet man unwillkürlich auch im wirklichen Leben mehr auf das, was die eigene Nase erkennen kann. Am besten sortiert man das Gewürzregal zur Zeit der Lektüre!

Anne von Vaszary gewann 2016 das Arbeitsstipendium der Mörderischen Schwestern und erhielt dadurch die Möglichkeit, ihren ersten Kriminalroman fertigzuschreiben. Die Autorin wurde 1975 in Sachsen geboren, studierte an der Filmuniversität Babelsberg und widmete sich zunächst dem interaktiven Storytelling, wofür sie auch mehrfach ausgezeichnet wurde. Sie lebt mit ihrer Familie in Berlin.

Almuth Heuner ist Schriftstellerin, Übersetzerin und Initiatorin der Challenge #krimifrauenlesen zum 25-jährigen Jubiläum der Mörderischen Schwestern 2021.

www.heuner.de

Anne von Vaszary: Die Schnüfflerin, Knaur
Erschienen: 13. Januar 2020
ISBN: 978-3-426-52382-7
384 Seiten
Preis: TB: 9,99 €, E-Book: 9,99 €

 

Krimitipp März 2021

Texpertin Ellen Rennen empfiehlt

Rosamund Lupton: Lautlose Nacht

Die britische Physikerin Yasmin fliegt mit ihrer zehnjährigen Tochter Ruby nach Alaska, um ihren Mann Matt zu treffen, der dort einen Dokumentarfilm dreht. Doch die Polizei empfängt sie mit der Nachricht, dass Matt jenseits des Polarkreises umgekommen ist. Yasmin will das nicht glauben: Sie ist davon überzeugt, dass Matt am Leben ist und ihre Hilfe braucht. Zusammen mit Ruby macht sie sich auf eine höchst riskante Reise durch ewiges Eis und ewige Nacht, um ihn zu finden. Und irgendwann bemerkt sie, dass sie nicht allein sind in dieser eisigen Hölle – sondern verfolgt werden.

Rosamund Lupton hat ein außergewöhnliches Setting geschaffen, die extreme Dunkelheit und Kälte sind nahezu spürbar. Ein weiteres Highlight ist die Perspektive der gehörlosen Ruby, deren Blog bei der Suche nach ihrem Vater eine wichtige Rolle spielt. Neben der spannenden Geschichte erfahren die Leser auch etwas über Alaskas Tierwelt, Fracking und wie vereiste Lkw-Bremsen während der Fahrt gelöst werden können.

Ellen Rennen ist freie Lektorin und begeisterte Krimi-Leserin.
www.texpertin.de

Rosamund Lupton: Lautlose Nacht, dtv
Erschienen: 11. November 2016
ISBN: 978-3423217477
384 Seiten
Preis: TB: 10,95 €, E-Book: 9,99 €, Audio: 4,97 €

Krimitipp Februar 2021

Unsere Kolumnistin Katharina Eigner empfiehlt

Klaudia Blasl: Kernölkrieg

Die Steiermark, Österreichs grünes Herz und Kernöl-Epizentrum. Im steirischen Damischtal steht die Idylle kurz vor dem Ablaufdatum: Eine Großbaustelle bedroht Flora, Fauna und Tourismus.
Der Weg aus der korrupten Misere ist mit Leichen gepflastert.
Bei der unfreiwilligen Zusammenarbeit von Revierinspektor Kapplhofer  und Polizeihauptmann van Trott prallen Genuss auf Askese und Gemütlichkeit auf Ehrgeiz. Dem Bauen und Morden wird trotzdem Einhalt geboten.

Klaudia Blasl nimmt ihre LeserInnen mit ins fiktive Damischtal, das gelernten Österreichern auf Anhieb vertraut vorkommt. Bitterböse Satire, appetitlich angerichtet an provinzhafter Gemütlichkeit, abgeschmeckt mit steirischem Dialekt. Man kommt auf den Geschmack authentischer Rezepte und - einer Prise Gift.

Klaudia Blasl: Kernölkrieg, emons
Erschienen: 24. Mai 2018
ISBN: 978-3-7408-0303-2
288 Seiten, Taschenbuch, E-Book
Preise:
TB: € 12,30 (A)/ € 11,90 (D), E-Book: € 9,49

Krimitipp zum Jahresauftakt 2021

Andrea Kammerlander, Herausgeberin des Tiroler Literaturmagazins „Schreib Was“ empfiehlt

Christina Unger: Toter geht's nimmer - Mord in den Wiener Voralpen

Wie ein Elefant im Porzellanladen regiert der eitle und selbstgefällige Bürgermeister Alois Simmerl in dem kleinen Dorf Elendsbrunn, im Wiener Voralpenland. Irgendwann treibt es der Bürgermeister jedoch zu bunt und es werden mehrere Anschläge auf ihn verübt. Motive haben viele. Auch bleiben seine erotischen Ausflüge in fremde Betten nicht lange unbemerkt. Dann passieren zwei Morde und in dem ehemals so friedlichen Dorf ist nichts mehr, wie es einmal war. Inspektor Waldemar Frühstück und seine junge Kollegin Susanne Sauer, noch nie zuvor mit einem Kapitalverbrechen konfrontiert, stehen vor der größten Herausforderung ihrer Karriere. Zum Glück gibt es Emma Pölzl, eine ziemlich starrköpfige alte Frau, aber mit einem Geheimnis, das nicht einmal sie selbst kennt.

Ein Regional-Krimi gewürzt mit geballter Frauenpower aller Altersklassen, einer Prise Humor, Klatsch und Tratsch, Spannung und natürlich Mord. Die Protagonisten werden authentisch dargestellt, das Coverbild wurde perfekt passend zur Geschichte ausgewählt. Der Krimi hat mir oft ein Lächeln auf die Lippen gezaubert, da ich die Figuren direkt vor mir sehen konnte, ihre Mimik, ihre Gesten, ihre Kleidung ... und weil mich das, was – und vor allem wie es gesagt wurde, an einige Menschen erinnert hat, die ich kenne. Aber auch an Spannung fehlt es nicht und an einigen richtigen wie auch falsch gelegten Spuren.

Andrea Kammerlander ist seit 2019 Herausgeberein und Chefredakteurin des Tiroler Literaturmagazins „Schreib Was“. Unter dem Pseudonym Anna Loyelle schreibt sie Jugendromane, Erotikgeschichten und Kurzgeschichten für verschiedene Verlage.

www.schreibwas-dasmagazin.at, www.anna-loyelle.at 

Christina Unger: Toter geht's nimmer: Mord in den Wiener Voralpen, Latos Verlag
Erschienen: 26. Mai 2019
ISBN: 978-3945766545
280 Seiten, E-Book
Preis: € 4,99