Drei Fragen an ... Fenna Williams

10.11.2023 – Fenna Williams ist sowohl literarisch in ihren Krimis, als auch mit TransCrime immer wieder im Ausland unterwegs. Welche Bedeutung Orte und Landschaften für sie und ihre Romane haben, erzählt sie im Interview.

Du hast bereits zahlreiche Kriminalromane geschrieben. Unter dem Pseudonym Auerbach & Auerbach erscheint die erfolgreiche Serie um die Haushüterin und Ermittlerin Pippa Bolle, die in verschiedenen Ländern Europas ermittelt. Wie kam es zu dieser Reihe?

Ich liebe Reihenformate, sowohl als Leserin, als auch als Autorin, weil ich mit jedem Buch tiefer in die Welt des Ensembles einsteigen darf. Die Reihe um die Haushüterin Pippa Bolle aus Berlin war von vornherein darauf ausgelegt, die Ermittlerin an verschiedene Orte in ganz Europa zu schicken. Ullstein suchte vor circa 15 Jahren eine Reihe, die als erste deutsche Cosy-Crime-Serie gelten sollte und rief bei meiner Kollegin Keller an, um nachzufragen, ob sie eine Idee hätte, die sich eignen würde. Sie erinnerte sich an meine Arbeit mit Pippa und wir haben gemeinsam losgelegt und die Protagonistin auf sechs spannende Reisen durch Europa geschickt. Da meine Kollegin auch eine eigene Serie ins Leben rief, sind Pippa und ich seit 2016 unter dem Pseudonym Auerbach & Auerbach allein unterwegs. Band 9 lassen wir ab Februar 2024 sogar im Buch- und Verlagswesen spielen. Der Fall »Wer länger liest, ist später tot« - mit jeder Menge Selbsterfahrung und Augenzwinkern geschrieben – hat uns besonders viel Spaß gemacht.

Als Autorin und Reiseleiterin bist du sehr viel unterwegs. Wo findest du Inspiration für deine Romane? Und welchen Einfluss haben die Orte für dich auf dein Schreiben?

Ich bin überzeugt, die Landschaft, in der ein Roman spielt, ist ebenso Protagonistin wie die agierenden Personen. Der Ort gibt die Kultur, das Wesen der Menschen, die sie prägt, und damit die Art des Falles vor. Ein Krimi in Schottland (durch meine Whiskyvorträge und -reisen mir besonders nah) atmet deutlich anderes Flair als ein Tatort in Südfrankreich. Diese »Spezialeffekte« herauszuarbeiten ist für mich das Salz in der Buchstabensuppe. Obendrein bin ich Recherchejunkie. Erst wenn ich einen Ort wirklich gut kenne, lasse ich mich dort auf einen Fall ein und mir von der Landschaft erzählen, wovon er handeln soll und wieso er nur hier spielen kann und nirgends anders. Deshalb unterrichte ich auch in meinen Schreibkursen und Coachings für die Mörderischen Schwestern wie man sich triggern lassen kann, damit sich ein Roman immer wie auf Schienen schreibt. Writers Block? Mit dem richtigen Handwerkszeug und etwa 30 Minuten Schreibzeit am Tag gibt es den nicht. Nach guter Vorbereitung einen gelungenen Plot auszuarbeiten, dauert dann nicht länger als eine Stunde. Doch! Wirklich! Kann man lernen!

Du engagierst dich bei den Mörderischen Schwestern sehr für den internationalen Austausch und organisierst regelmäßig Schreibretreats im Ausland. Warum ist dir der Austausch so wichtig?

Die TransCrime AG ist eine wunderbare Truppe und mein persönliches Highlight bei den MS. Hier kommen auf nationaler und internationaler Basis jede Menge Wünsche und Ideen zusammen, wie man gemeinsam schreiben und seinen Stil weiterentwickeln kann. JEDE kann sich einbringen. Es gibt auch Gruppen innerhalb der MS, die um einen Kurs zu einem bestimmten Schreibthema bitten und um eine Umgebung, die dazu passt. In diesem Jahr waren wir z.B. zum Nature Writing auf einer idyllischen Ferme im Land der 1000 Seen in Frankreich – mit eigenem Badeteich.
Ganz weg aus dem häuslichen Umfeld ist es häufig einfacher, sich auf neue Formate, Ideen, Schreibweisen einzulassen. Außerdem sind die Atmosphäre und das immer wertschätzende Feedback der Schwestern ein ungeheurer Schreibboost. Die Retreats sind auch dazu da, sich untereinander besser kennenzulernen, einen Schreibbuddy zu finden oder eine gemeinsame Lesegruppe zu gründen. So ist in diesem Jahr Slàinte Mhath entstanden, eine Anthologie mit Geschichten, die allesamt in Schottland spielen und von Kolleginnen diesseits und jenseits des Kanals geschrieben wurden – herausgegeben in Deutsch und Englisch. Jede Menge Arbeit, aber jede Menge Spaß!
Retreats finden überall dort statt, wo die Schwestern es sich wünschen und die wünschen sich immer wieder Venedig, Frankreich und Großbritannien. Deshalb: Her mit EUREN Wünschen und Themen TransCrime macht sie wahr!

Zum Autorinnenprofil von Fenna Willians.

Homepage: www.Fenna-Williams.com

Die Fragen stellte Sybille Baecker.

Aktuelle Veröffentlichung.

Viele Erben verderben das Sterben
Auerbach & Auerbach
Ullstein Verlag
ISBN:978-3-548-06154-2