Drei Fragen an ... Sarah Nisi

06.08.2021 – Sarah Nisi ist immer unterwegs – wo und warum, verrät sie im Interview.

Du hast bereits zahlreiche Kurzkrimis veröffentlicht. Nun ist dein erster Kriminalroman erschienen. Was erwartet deine Leser*innen in deinen Romanen?

Ich mag subtilen Thrill. Ich finde es spannend, wenn Dinge sich im Kopf eines Charakters abspielen und Grenzen verschwimmen. Bilde ich mir ein komisches Gefühl nur ein oder klingeln meine Alarmglocken zu Recht? Warum empfinden wir bestimmte Dinge als unheimlich und andere nicht? Warum realisieren wir Gefahr in manchen Situationen zu spät? Man soll die Beweggründe der Figuren nachvollziehen können. Sie tragen die Geschichte.
Ich spiele gern mit verschiedenen Perspektiven; jede Figur hat eine andere Vergangenheit und nimmt Dinge auf eine eigene Weise wahr. Spannung ist wichtig. Und das Gefühl, dass alles auch ganz anders sein könnte.

Wie sieht dein Schreib-Arbeitsalltag aus?

Ich schreibe am liebsten draußen. Damit meine ich tatsächlich draußen – im Park oder an der Themse, aber auch in Cafés, Museen oder zum Beispiel in der Lobby eines Kinos, Theater oder in einer Bibliothek. Ich schreibe fast nie zu Hause. Meinen Roman habe ich quer durch London geschrieben. Ich brauche eine bestimmte Art von Umgebung, die mich kreativ werden lässt.
Oft überlege ich mir vorher, wo ich am nächsten Tag arbeiten werde. Ich habe eine Handvoll Lieblingsschreiborte, zu denen ich immer wieder gehe. Ich probiere aber auch gern Neues aus.
Ich plane viel, plotte die Szenen, bevor ich anfange das Manuskript zu schreiben. Auf diese Weise arbeite ich oft an verschiedenen Szenen gleichzeitig. Ich schreibe nie chronologisch. Der Anfang und das Ende sind für mich die Startpunkte. Ich versuche, jeden Tag ein bestimmtes Pensum zu schaffen. Das klappt mal besser, mal schlechter.

Woher nimmst du deine Inspiration?

Oft ist es eine Kleinigkeit, ein Satz, den jemand sagt, eine Beobachtung, ein Artikel oder eine Situation, die ich erlebe. Plötzlich macht es klick und ich denke: Interessant. Das ist aber meist nur der Ausgangspunkt, daraus entwickelt sich dann eine Idee.
Ich mag Details, die auf eine Art außergewöhnlich sind. Ich bin ein visueller Mensch, oft sind es also Sachen, die ich sehe, oder die zufällig meinen Weg kreuzen. Ich bin immer auf der Suche nach Dingen und Orten, die in unserem Alltag sind, denen wir aber keine große Bedeutung beimessen. Ich liebe den Satz: Everything is a story. Das stimmt. Es kommt nur auf den Blickwinkel an.

Mehr über Sarah Nisi - zum Autorinnenprofil.

Homepage: www.sarah-geraldine-nisi.de

(Die Fragen stellte Sybille Baecker.)

Aktuelle Neuerscheinung:
Ich will dir nah sein
Sarah Nisi
btb Verlag
ISBN: 978-3-442-71891-7