Drei Fragen an ... Anita Konstandin

15.10.2021 – Anita Konstandin liebt das Böse – aber nur auf dem Papier, denn das Böse vergisst du nie …

Vor kurzem ist dein dritter Kriminalroman erschienen. Warum hast du dich für das Krimigenre entschieden?

Weil mir eher etwas Böses einfällt, als etwas Nettes. Deshalb schreibe ich keine Liebesromane, das würde bei mir hundertprozentig schiefgehen, und hinterher wäre der Lover tot. Auf nicht-natürliche Art, selbstverständlich. Als Krimiautorin wird man geboren.
Wenn ich mich an etwas Schönes aus der Kindheit erinnern möchte, denke ich an die 21 Minuten, die ich mit meinem Vater zusammen „Isar 12“ im Schwarz-Weiß-Fernsehen geschaut habe. Wir waren uns einig wie sonst nie. Ich genoss viel Anerkennung, weil ich nach kürzester Zeit wusste, wer der Übeltäter war. Sonderlich kompliziert waren die Fälle früher aber nicht. Wenn ich so überlege: Die Verbrecher damals waren irgendwie auch herzig.

Auch der Titel deines neuen Krimis klingt ja schon mal böse – im wahrsten Sinne. Was erwartet deine Leser*innen in deinen Krimis?

„Das Böse vergisst du nie“ ist ein unblutiger, aber weiß Gott kein Cosy-Krimi. Es geht reichlich ungemütlich zu, denn wir verfolgen eine tragische Figur, die sich auf dem schmalen Grat der seelischen Verwahrlosung bewegt. Der Mann sieht irrsinnig gut aus (wie Anthony Perkins in Hitchcocks „Psycho“), aber in dem Fall nützt ihm das gar nichts. Er hat sich nämlich der Rache verschrieben, seiner Meinung nach berechtigt. Und ich möchte mal eine Leserin sehen, die nicht mit ihm fühlt, die es nicht irgendwie okay findet, was er da macht. Aber: Er hätte es besser sein lassen. Denn Rache ist immer schlecht.
Um was geht es noch? Um Bündnisse, Abmachungen, Versprechungen, die man nicht allzu ernst nehmen sollte, sonst dreht wieder einer durch. Außerdem: Wer mich kennt, weiß, dass auch immer Tiere im Spiel sind (nichts Tierquälerisches), in dem Fall sind es 17 Katzen und mehrere (Polizei-)Hunde.

Du bist schon viele Jahre bei den Mörderischen Schwestern. Warum hast du dich dem Verein angeschlossen?

Ich bin schon seit über 15 Jahren dabei, denn mir liegt viel daran, mit meiner Mitgliedschaft deutschsprachige Kriminalschriftstellerinnen zu fördern. Was ich so toll finde: Die Mörderischen Schwestern sind ein cooles Netzwerk von Frauen, die sich gegenseitig anspornen. Sie teilen ihr umfangreiches allgemeines oder berufliches Wissen, ihre Talente, und sind fähig und gern bereit, andere Schwestern mit ihrer Motivation anzustecken.
Ich genieße es, Erfahrungen und Know-how auszutauschen, zum Wohle aller und zum Erfolg aller.

Zur Autorinnenseite von Anita Konstandin.

Homepage www.anita-konstandin.de

(Die Fragen stellte Sybille Baecker.)

Das Böse vergisst du nie
Anita Konstandin
Oertel+Spörer, Reutlingen
ISBN 9 783965 550865