Gute Heldin böse Heldin

Was Leserinnen wollen – gute Held*in, böse Held*in

von Kaja Neff

Was kommt in Krimis und Thrillern besser an: die guten oder die bösen Held*innen?

Wie sagte Mae West? When I’m good, I’m very good. But when I’m bad, I’m better.

Gilt das auch für Krimi-Heldinnen und -Helden? Eine kurze Umfrage im Internet zum Thema ergab ein klares Jein!

Einzelmeinungen von Leserinnen

Bitte kein Kommissar mit Trauerbewältigung (…) Scheidungsproblemen (…) Alkoholkonsum oder sonstigen Entgleisungen. Manuela Wirtz, (Facebook-Gruppe Mörderische Schwestern)

(Mir gefallen) die Zwielichtigen. Sympathische (Figuren) sind eher langweilig. Martina Finck, (Facebook-Gruppe Mörderische Schwestern)

(Ich bevorzuge Überraschungen:) zwielichtige Figuren, die eigentlich sympathisch sind und umgekehrt. Linda Graze, (Facebook-Gruppe Mörderische Schwestern)

Ich mag Heldinnen und Helden mit einer dunklen Seite, die sie aber im Griff haben. Nicole Schumacher-Velder, (Facebook-Gruppe Thrillerspoilerbande)

Ist das Genre speziell und verträgt mehr zweifelhafte Hauptfiguren als andere klassische Unterhaltungsromane?

Fragen wir Helga Körner. Sie betreibt den Blog „Helgas Bücherparadies“.


Wie wichtig ist es für eine spannende Story, dass die Held*innen Ecken und Kanten haben?

Es ist schon wichtig, denn sonst würde es langweilen. Sie sollten aber realistisch sein. Zu starke Überzeichnung finde ich schnell unglaubwürdig. Kleine Schwächen hingegen machen sie menschlicher.


Was gibt es bei der Darstellung von kaputten, unmoralischen oder unsympathischen Protas zu beachten?

Angeschlagene oder unsympathische Heldinnen und Helden können in Krimis und Thrillern sehr reizvoll sein, aber sie brauchen klare Grenzen. Auch wenn sie Fehler machen oder moralisch zweifelhaft handeln, sollte es immer noch etwas geben, das die Sache nachvollziehbar oder zumindest interessant macht.

Welche Regeln dürfen unkonventionelle Held*innen brechen? Alle? Nur ein paar?

Ein gewisses Maß an Regelverstößen ist in Ordnung, vor allem wenn es der Aufklärung dient oder die Situation es erfordert. 


Was macht einen Charakter aus, den man ins Herz schließ
t?

Er oder sie muss nicht perfekt sein. Gerade im Krimi sind es oft die unterschiedlichen, manchmal widersprüchlichen Eigenschaften, die gut passen.

Die Helden*innen können genauso gut koksende Kommissar*innen sein wie freundliche Ermittler*innen mit Familie.


Welche Held*innen sind dir am liebsten?

Ich bevorzuge Charaktere, bei denen die Mischung stimmt. Sie sollten Ecken und Kanten haben, aber nicht völlig überzogen sein. Ein bisschen Unangepasstheit, vielleicht auch mal ein Fehltritt oder ein moralisches Dilemma – sowas finde ich gut. Das macht sie interessant, solange es im Rahmen bleibt und zur Geschichte passt.

Mir sind die Figuren am liebsten, die sowohl Stärke als auch Schwäche zeigen. Also nicht nur der harte, abgeklärte Typ, aber auch nicht ausschließlich der (die) perfekte, immer richtige Held*in.

 

Helga Körner ist Bloggerin und Krimispezialistin und sorgt mit ihren Rezensionen und Buchverlosungen regelmäßig für Aufsehen bei Instagram und Co. Ihre „Einstiegsdroge“ in die Welt der Bücher waren die Abenteuer von „Hanni und Nanni“. Doch sie ist der heilen Welt nicht treu geblieben, heute liest sie querbeet und hat sich zu einer Spezialistin für Abgründiges entwickelt. Ihr Blog „Helgas Bücherparadies“, den sie seit 2018 betreibt, widmet sich zu einem großen Teil der Kriminalliteratur. Angefangen hat alles, als Helga Sebastian Fitzek für sich entdeckte und dazu überging, Rezensionen für die Thrillerspoilerbande (Facebook-Gruppe) zu verfassen. Die kamen so gut an, dass aus dem Hobby ein vielbeachteter Blog wurde, dem inzwischen über 15.000 Bücherliebhaber*innen auf Facebook und über 8.000 auf Instagram folgen. Ihr Blog wurde vielfach ausgezeichnet:

Erster Platz beim Planet Award, Siegerin des Skoutz Award 2021 und Finalistin als beste(r) Newcomer*in auf der Frankfurter Buchmesse.

https://helgasbuecherparadies.com/

https://www.instagram.com/helgas_buecherparadies

 

Die hier wiedergegebenen Meinungen und Aussagen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Wissenschaftlichkeit, sondern spiegeln die Meinungen und Erfahrungen der Befragten.

Das Interview mit Helga Körner wurde von unserem Redaktionsmitglied Kaja Neff geführt, die selbst Autorin ist. Vor Kurzem ist ihr neuer Psychothriller Rotkäppchen ist der Wolf erschienen. In der Rubrik „Was Leserinnen wollen“ befragt Kaja engagierte Leserinnen und Krimi-Kennerinnen zum Thema Krimis und Thriller.

Der Artikel wurde von Sabine Griebel (Redaktionsmitglied und Autorin) editiert.